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Ortswechsel

"China und Japan trennen Welten"

Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt-Korrespondent Finn Mayer-Kuckuk wurde von Japan nach China versetzt und lebt heute in Peking. Er sagt: Die beiden Länder unterscheiden sich von Mentalität und Wirtschaftslage weit mehr, als Deutschland es jeweils tut.
Finn Mayer-Kuckuk berichtet jetzt aus PekingFoto: © Pablo Castagnola
Das Handelsblatt hat mich als Korrespondent im März von Japan nach China versetzt. Ich wohne jetzt also in Peking - und die Umstellung ist groß. Von Deutschland aus gesehen liegen die Länder Ostasiens zwar ganz dicht beeinander, doch in Wirklichkeit scheinen es zwei verschiedene Planeten zu sein.Nach dem direkten Vergleich Chinas mit Japan in den vergangenen zwei Wochen kann ich versichern: Die beiden Länder unterscheiden sich von Mentalität und Wirtschaftslage weit mehr, als Deutschland es jeweils tut. Ich gehe sogar so weit und sage: Wir Deutschen liegen in mancherlei Hinsicht genau dazwischen - zwar nicht geografisch, aber kulturell.

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Japaner warten - Chinesen drängelnDem Neuling fällt das als Erstes bei den Umgangsformen auf. Während Japaner uns allzu zurückhaltend erscheinen, wirken viele Chinesen laut und drängelig. In Tokio bilden sich oft Schlangen vor den angesagtesten Geschäften, weil Moden dort höhere Wellen schlagen als anderswo. Die Japaner warten dann mit unbeschreiblicher Geduld, bis sie an der Reihe sind. Ganz anders in China. Wenn es dort von irgendetwas nicht genug gibt (und das kommt recht oft vor), gibt es Gedrängel.Genauso an der U-Bahn: Chinesen versuchen immer schon einzusteigen, wenn die anderen Fahrgäste noch gar nicht ausgestiegen sind. Japaner organisieren das Ein- und Aussteigen dagegen in militärischer Ordnung.Offen gestanden bin ich froh, jetzt in China zu sein. Ich kann hier wieder mehr mit meinen deutschen Instinkten anfangen. In Japan ist einer gleich unten durch, der mal pampig reagiert. In China sind dagegen klare Ansagen bitter nötig wie: "Hey, jetzt bin ich dran, warte gefälligst hinter mir!"Unterschiedliche Auffassung von Ehre und PflichtDer Ausländer spielt in Chinas Chaos zudem keine solche Außenseiterrolle wie im Inselstaat. Die Ehre gebietet es den Nipponesen, ihr Land den Ausländern perfekt darzustellen. Die Bewohner des Vielvölkerstaats China empfinden es dagegen eher als Pflicht und Ehre, mit Ausländern so gute Geschäfte wie möglich zu machen. Wenn die Langnase dann nicht gut verhandelt und zu viel bezahlt: selbst schuld.Lesen Sie mehr zum Thema "Arbeiten im Ausland":
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Dieser Artikel ist erschienen am 27.04.2010

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