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Top-Managerinnen

Chefinnen fordern die Quote

Stefani Hergert, Tanja Kewes
Sie haben auch ohne sie Karriere gemacht, und sind ganz oben angekommen. Dennoch unterstützen Deutschlands Top-Managerinnen jetzt eine Frauenquote. Ihr Tenor: Zehn Jahre Selbstverpflichtung haben nichts gebracht – wir haben lange genug gewartet!
Simone Bagel-Trah ist Aufsichtsratsvorsitzende bei Henkel
Irgendwann, so hofft Simone Bagel-Trah, wird sie keine „Exotin“ mehr sein. Die 41-Jährige leitet als erste und einzige Frau den Aufsichtsrat eines Dax-Konzerns, den des Konsumgüterriesen Henkel. Und irgendwann, so erklärt sie vor rund 65 anderen deutschen Chefinnen in Berlin, wird es hoffentlich auch nicht mehr erzählenswert sein, dass ihr Flugzeug von Düsseldorf von einer weiblichen Co-Pilotin gesteuert wurde. Dass sich die Zeiten ändern, das wurde auf dem zweiten Forum „Deutschlands Chefinnen“, zu dem die Personalberatung Odgers Berndtson ins Hotel de Rome geladen hatte, nicht nur gehofft.Mittel zum Zweck

Die besten Jobs von allen

Es herrschte Aufbruchstimmung. „Die Zeiten für einen Wandel sind so gut wie noch nie“, sagte Gabriele Stahl, Partnerin von Odgers Berndtson. Für viele von Deutschlands Chefinnen hat das eine Konsequenz. Eine Mehrheit, das wurde in einer spontanen Abstimmung deutlich, plädiert inzwischen für die viel diskutierte Frauenquote in Aufsichtsräten und Vorständen – als notwendiges Übel und Mittel zum Zweck. Der Tenor unter den Geschäftsführerinnen und weiblichen Vorständen: „Zehn Jahre lang ist nichts passiert. Wir haben lange genug gewartet!“ „Ich war früher gegen die Quote, habe aber im Laufe meiner Karriere meine Meinung geändert. Heute sage ich: Die Quote wäre hilfreich“, sagt Magarete Haase, Vorstand für Finanzen und Personal beim S-Dax- Konzern Deutz.Und Ulrike Detmers,  Geschäftsführerin des Brot- und Backwarenherstellers Mestemacher, erklärte: „In den vergangenen zehn Jahren hat sich in den Unternehmen in puncto Gleichstellung nichts getan. Das können wir uns nicht länger leisten!“ Und auch die Managerinnen, die sich nicht explizit für eine Quote aussprachen wie Simone Bagel-Trah von Henkel oder Margret Suckale, designierte Vorständin des Chemiekonzerns BASF unterstützen diese Forderung – stillschweigend oder direkt. „Frauen müssen selbst aktiv werden“, sagte Bagel-Trah. Und Renate Köcher, Chefin des Instituts für Demoskopie Allensbach, analysierte: „Wir haben in Deutschland ein riesiges kulturelles Problem. Das Frauenbild ist immer noch sehr konservativ – und zwar bei Männern und Frauen.“ Viele der Chefinnen waren wie Haase von Deutz einmal gegen die Quote. Gerade sie, die es ohne Quote in die Top-Etagen der Wirtschaft geschafft haben, haben aber jetzt ihre Meinung geändert.Ökonomische NotwendigkeitErstens, haben sie selbst erfahren, wie groß die Hürden für den Aufstieg in der Wirtschaft sind, und wollen es ihren Nachfolgerinnen leichter machen. Zweitens, haben sie aufgrund eigener Erfolge genug Selbstvertrauen, um sich für eine so unpopuläre Maßnahme wie die Quote einzusetzen. Drittens, können sie mit der ökonomischen Notwendigkeit argumentieren. So gibt es jedes Jahr aufgrund des demografischen Wandels 250 000 potenzielle Arbeitnehmer weniger. Und viertens, steht die Politik erstmals an ihrer Seite.

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