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Chefinnen, die härter sind als Chefs
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Führungsetage

Chefinnen, die härter sind als Chefs

Teil 3: Fehlende weibliche Vorbilder

Warum bekommen sie dann gerade diese Posten? Wenn den Unternehmenslenkern das klar ist, könnte es gar eine Falle für die Top-Frauen sein? Um sie ins offene Messer laufen zu lassen?

Dass man dies bewusst tut, würde ich nicht unterschreiben. Aber die Personalabteilungen sind meist fest in Frauenhand, da die weiblichen Eigenschaften wie Empathie, ein größeres Kooperationsbedürfnis oder höhere Kompromissfähigkeit dort eben gefragt sind. Und wer einmal im Personalbereich ist, wechselt in der Regel auch nicht mehr in eine andere Disziplin und kann dann auch nur noch Personalvorstand werden.

Fazit Ihrer Untersuchung ist jedenfalls, dass Chefinnen keine Unschuldsengel sind. Sind sie denn wenigstens umgänglicher, verträglicher?

Nein, da muss ich enttäuschen. Frauen in Führungspositionen sind noch weniger verträglich als Männer, zeigt die Studie. Sie setzen im Team-Meeting ihren Kopf gegen die Interessen der anderen durch und gehen einem Streit nicht aus dem Wege. Bei geschäftlichen Verhandlungen mit Externen wäre ein hohes Maß an Verträglichkeit allerdings auch oft kontraproduktiv, zum Beispiel wenn ein Einkaufsleiter die Konditionen mit Lieferanten verhandelt oder wenn der Personalvorstand eines Unternehmens sich mit Gewerkschaftsforderungen auseinandersetzen muss.

Sind denn die Top-Managerinnen heute, die die besseren Männer sein wollen, nur die Vorhut für die nächste Generation von abgeklärteren Managerinnen, die auch in der Lage sind, echt zu führen und Mitarbeiter mitzunehmen?

Ja, zu der Ansicht neige ich in der Tat. Je mehr Frauen künftig an die Spitze gelangen, umso mehr Chefinnen-Typen wird es geben. Dafür könnte die Frauenquote sorgen. Aber die Frauen müssen es auch wollen. Das könnte durch mehr weibliche Vorbilder in Führungspositionen verbessert werden. In einer anderen Studie von uns zur Unterrepräsentanz von Professorinnen kam heraus, dass einer der Hauptgründe für die geringe Zahl von Professorinnen fehlende weibliche Vorbilder sind.

Im Wissenschaftskontext gibt es zu wenige und vielleicht auch nicht immer die richtigen Vorbilder. So erscheint der lange und oft steinige Weg in solche Positionen sich nur schwer mit Familie und Kindern vereinbaren zu lassen, was viele Frauen davon abhalten könnte ihn einzuschlagen. Das dürfte übertragbar sein auf die Wirtschaft. Hier müssen verbesserte Rahmenbedingungen geschaffen werden, sowohl im wissenschaftlichen als auch im unternehmerischen Kontext.

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