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Führungskräfte

Chef sein muss gelernt werden

Kirstin von Elm
Früh Verantwortung gegenüber Mitarbeitern und Kollegen zu übernehmen beschleunigt zwar die Karriere, birgt aber auch viele Gefahren. Drei junge Chefs erzählen, wie sie die erste Zeit als Vorgesetze gut überstanden und Stolperfallen vermieden haben.
PR-Managerin Jessica DurstFoto: © Privat
Der Letzte macht die Tür zu? Nicht bei Jessica Durst. "Wenn ich ein Meeting leite, egal, ob in der Firma oder auswärts, schließe ich selbst die Tür", sagt die 28-jährige PR-Managerin. "Damit zeige ich, hier ist mein Revier." Bis vor kurzem war der jungen Chefin derartiges Statusgebahren fremd, doch seit sie bei der Düsseldorfer Kommunikationsberatung JP KOM ein vierköpfiges Team leitet, achtet sie stärker auf ihren Auftritt.Dass kleine Gesten oft große Wirkung entfalten, beweisen eindrucksvoll Führungspersönlichkeiten wie US-Präsident Barack Obama. Sein "Yes, we can" unterstreicht der Charismatiker bei jeder passenden Gelegenheit, beispielsweise, wenn er beim offiziellen Händedruck mit Amtskollegen oder Wirtschaftsbossen die eigene Hand stets nach oben dreht - also symbolisch die "Oberhand" behält. Jessica Durst muss zwar nicht mit ausländischen Staatschefs verhandeln, doch dass Gestik, Mimik und Körperhaltung den Erfolg von Gesprächen oder Verhandlungen beeinflussen, ist ihr bewusst.

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Fit durch KommunikationstrainingEin Kommunikationstraining, das die Firma ihr zur Beförderung spendierte, hat ihren Blick dafür geschärft. So sichert sie sich im Konferenzraum jetzt stets einen Platz mit Blick zur Tür, denn "wenn sich etwas hinter meinem Rücken abspielt, schwächt das meine Position". Außerdem achtet sie darauf, gerade zu stehen: "Viele Frauen knicken unbewusst ein. Das wirkt schwach." Die Chance zum Aufstieg ergab sich für Jessica Durst schon sehr früh, als ihr Vorgesetzter Ende 2007 überraschend kündigte. Durst arbeitete erst seit neun Monaten als Juniorberaterin bei der Agentur. Zuvor hatte sie ein Traineeprogramm absolviert: "Fachlich war ich absolut fit, aber in puncto Auftreten und Sozialkompetenz hatte ich noch Nachholbedarf", gibt die Kommunikationswissenschaftlerin zu.Die unverhoffte Karrierechance ungenutzt verstreichen zu lassen, kam für sie dennoch nicht in Frage. Lieber holte sie sich Schützenhilfe über das Mentoring-Programm KIM, das sich an junge Karrierefrauen in Nordrhein-Westfalen wendet. "Mit meiner Mentorin konnte ich offen über betriebliche Probleme reden und mir in schwierigen Situationen, zum Beispiel vor einem Kündigungsgespräch, konkrete Tipps holen", erzählt Durst.Wer ein Aufstiegsangebot ausschlägt, nur weil es plötzlich kommt oder mit einigen Unbequemlichkeiten verbunden ist, wird meist nicht so schnell wieder gefragt. "Das ist ja kein Wunschkonzert", bestätigt Kristian Grube. Er ist Leiter Vertrieb und Handelsmarketing bei Philip Morris in München. Der 46-jährige Top-Manager engagiert sich seit vielen Jahren als Mentor für junge Führungskräfte und kennt auch die Sorge, womöglich in aussichtsloser Mission verheizt oder auf einen unattraktiven Posten weggelobt zu werden. Grube rät, solche Bedenken beim Vorgesetzten offen anzuschneiden und dabei am besten gleich schon die nächsten Karriereziele abzustecken.

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