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Arbeitnehmerrechte

Chef darf Mitarbeiter nicht aus Urlaub holen

Lea Deuber, wiwo.de
In Mainz geht seit Tagen nichts mehr. Krankheitsausfälle und schlechte Planung bringen den Bahnverkehr zum Stocken. Nun will der Aufsichtsrat Mitarbeiter aus dem Urlaub zurückrufen. Doch was passiert, wenn der Chef anruft: Muss man wirklich wieder ins Büro?
Der Zugverkehr in Mainz ist aufgrund von Personalengpässen bei der Bahn beeinträchtigt. Jetzt will das Unternehmen Mitarbeiter aus dem Urlaub zurückrufen. Schließlich, so Aufsichtsratsmitglied Patrick Döring, lebe das Unternehmen auch vom Teamgeist.

Doch ob Teamgeist in diesem Fall wirklich ausreicht, ist zu bezweifeln. Grundsätzlich bestimmt zwar der Arbeitgeber über Bewilligung und Nichtbewilligung von Urlaubsanträgen.

"Wenn Urlaub dann aber bewilligt wurde, ist es sehr schwierig für den Arbeitgeber zu begründen, warum der Mitarbeiter aus dem Urlaub kommen soll", sagt Martin Bechert, Fachanwalt für Arbeitsrecht aus Berlin.

Denn im Urlaubsrecht gilt: Abgemacht ist abgemacht.

Kommt es wirklich zu einem Notfall in der Firma, kann ein Mitarbeiter zwar theoretisch zurückgerufen werden. "Es muss aber sehr gut begründet werden, warum gerade dieser Mitarbeiter zurückkommen muss."

Dies hat 2000 auch das Bundesarbeitsgericht entschieden. Ein Software-Entwickler war durch seinen Arbeitgeber aufgefordert worden, seinen bereits bewilligten Urlaub zu verschieben (Az. 9 AZR 405/99). Den Aufschub hatte der Arbeitgeber damit begründet, dass der Mitarbeiter als einziger eine Programmiersprache beherrsche, die für die Abwicklung von dringenden Aufträgen notwendig war.

Dem Gericht reichte diese Begründung nicht. Sei ein Urlaubsantrag bewilligt, müsste sich der Arbeitgeber darauf verlassen können und er sollte nicht darum fürchten müssen, vom Arbeitnehmer zurückgerufen zu werden.


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