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Die Digitalisierung sorgt auch für ganz neue Ansprüche der Mitarbeiter an den Arbeitsplatz.
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Mobile Arbeitsplätze

Bitte ohne Sicherheitsrisiko

Kerstin Dämon, wiwo.de
Die Digitalisierung sorgt auch für ganz neue Ansprüche der Mitarbeiter an den Arbeitsplatz. Mobil soll alles sein und modern. IT-Führungskräfte müssen häufig entscheiden zwischen Wettbewerbsvorteil und Sicherheit.
Deutschland hinkt in digitalen Vergleichen oft hinterher: Die Arbeitsplatzausstattung ist nicht so modern wie in Neuseeland, die flexiblen Arbeitsmodelle nicht so verbreitet wie in Skandinavien, die Innovationskraft nicht so groß wie in den USA. Dennoch verändert sich die Wirtschaft und damit auch der Arbeitsplatz der Deutschen. Und zwar branchenübergreifend. Selbst beim Rückversicherer Munich Re weht Silicon Valley-Luft durch die Büros: zum Meeting wählt man sich per Skype ein, viele Arbeitsplätze sind mobile, es gibt "Bring your own device". Die Mitarbeiter können also wählen, ob sie Firmenhardware oder ihre eigenen Geräte nutzen möchten.

Der "Arbeitsplatz der Zukunft" ist überall Thema – beim Rückversicherer genauso wie in der Fabrik, beim Discounter oder im Steuerbüro. Denn die Angestellten sehen es gar nicht mehr ein, von neun bis 17 Uhr an einen uralten Rechner gefesselt zu sein, während ihr gesamtes Privatleben mobil stattfindet.

Laut einer aktuellen IT-Sicherheitsstudie von VMware, einem Anbieter von Cloud-Infrastrukturlösungen, sagen 68 Prozent der befragten IT-Führungskräfte in Deutschland, dass ihre Mitarbeiter zunehmend mobile Arbeitsplätze einfordern. Für die Studie hat VMware insgesamt 1.700 IT-Entscheidungsträger und 3.500 Büroangestellte aus UK, Frankreich, Deutschland, den Niederlanden, Belgien, Italien, Schweden, Norwegen, Dänemark, Russland und dem Nahen Osten befragen lassen.

Investitionen in IT-Arbeitsplatzmodernisierung haben selten Priorität

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt die aktuelle Studie des Marktforschungs- und Beratungsunternehmens IDC: Demnach halten sowohl die IT-Verantwortlichen als auch die Kollegen in den Büros die Modernisierung der IT-Arbeitsplätze für die wichtigste Baustelle in Unternehmen. "Any Place, Any Time" ist heute der Anspruch an den Arbeitsplatz, heißt es in der Studie. "In den letzten Jahren wurden Investitionen in die IT-Arbeitsplatzmodernisierung immer mal wieder hinten angestellt, weil andere Dinge wichtiger waren. Hier gibt es meiner Meinung nach einen Investitionsstau", sagt Martin Schulte, Berater bei IDC.

Besonders die junge Generation, die schon jetzt gut ein Drittel der erwerbstätigen Bevölkerung in Deutschland ausmacht, fordert Veränderung. Hauptgrund für Beschwerden: Arbeiten von unterwegs oder dem Home-Office funktioniert nur eingeschränkt, weil nur gut die Hälfte der nötigen Dokumente oder Anwendungen geräte- und ortsunabhängig zu erreichen sind. Schulte: "Nur 55 Prozent der Wissensarbeiter zwischen 18 und 35 Jahren sind zufrieden mit ihrem IT-Arbeitsplatz. Bei den Babyboomern sind es dagegen 69 Prozent. Diese Generation hat ganz andere Ansprüche." Da sich das Verhältnis der beiden Gruppen im Arbeitsmarkt in Zukunft ändern wird, sollten Unternehmen die Bedürfnisse der jungen Generation jedoch ernst nehmen.

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