Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche
Qualifikation

Berufsausweis für Ingenieure

Claudia Obmann
Unterschiedliche Studieninhalte und Abschlüsse sorgten bisher für Verwirrung über berufliche Qualifikationen. Eine Chipkarte soll nun das Bewerbungsverfahren für Ingenieure und Unternehmen vereinfachen. Vergleichbare Standards ermöglichen so einen fairen Wettbewerb um den Traumjob.
Alle Qualifikationen auf einer KarteFoto: © VDI
Ingenieure, die eine Stelle im Ausland antreten wollten, brauchten bislang Zeit, Geld und gute Nerven. Trotz übersetzter und beglaubigter Zeugnisse und Abschlüsse konnte mitunter der vermeintliche Traumjob nicht angetreten werden. Weil etwa das Diplom in Wirtschaftsingenieurwesen von der Uni Konstanz in Italien nicht als höchste technische Berufsqualifikation eines Ingenieurs anerkannt wird. Zu wenig technisch, behaupten die Südeuropäer schlicht.Solches Gezänk soll nun ein Ende haben: Mit der vom Verein Deutscher Ingenieure (VDI) im Auftrag der europäischen Ingenieur-Dachorganisation (FEANI) entwickelten neuen EngineerING Card werden ab sofort Ausbildungen, Berufserfahrung und Weiterbildungen von Ingenieuren standardisiert dokumentiert und somit europaweit vergleichbar.

Die besten Jobs von allen

Mehr Transparenz auf dem ArbeitsmarktDer jetzt auf der Hannover Messe vorgestellte neue Berufsausweis „erfüllt die Forderung der EU-Kommission nach mehr Transparenz für die gegenseitige Anerkennung von Berufsqualifikationen“, sagt Lars Funk, VDI-Bereichsleiter Beruf und Gesellschaft.Und so sieht das technische Prozedere aus, das in Deutschland von der ASIIN, der Akkreditierungsagentur für Ingenieursstudiengänge durchgeführt wird: Inhaber der EngineerING Card in spe stellen einen Online-Antrag und laden ihr digitalisiertes Foto, Zeugnisse, Diplom und Fortbildungszertifikate in eine Datenbank und geben außerdem die Details zu ihrer Berufserfahrung nach einem standardisierten Verfahren ein. Innerhalb von etwa drei Wochen erhält der Antragssteller dann seinen Ingenieurspass samt persönlichem Code, mit dem er jederzeit online einen persönlichen Registerauszug ausdrucken kann. Der liegt in deutsch und englisch vor und lässt sich dann den üblichen Bewerbungsunterlagen beilegen.Die Gebühren für Mitglieder eines Berufsverbandes betragen pauschal 95 Euro, Nicht-Mitglieder bezahlen 225 Euro, bei jeweils zehn Jahren Gültigkeit und inklusive Möglichkeit, weitere Fortbildungen oder Berufserfahrungen nachzutragen.Die Niederlande haben bereits verkündet, die in Deutschland entwickelte EngineerING Card im Herbst ebenfalls einzuführen, die übrigen Europäer dürften nachziehen. Zumal der neue Berufsausweis für Ingenieure bei bedeutenden Arbeitgebern auf positive Reaktionen stößt. Peter Smits, Vorstandsvorsitzender von Energie- und Automationstechnik-Konzern ABB sagt zum Beispiel: „Die Card sorgt für deutlich mehr Transparenz auf dem Arbeitsmarkt“. Und Christoph Dänzer-Vanotti, Personalvorstand von Eon, ergänzt: „Die vergleichbaren Standards erleichtern uns den länderübergreifenden Einsatz von Ingenieuren.“
Dieser Artikel ist erschienen am 22.04.2010

Fair Company | Initiative

 

Themen im Überblick