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A.T. Kearney

Beraterinnen im Boxring

Claudia Obmann
In der Fort- und Weiterbildung von Führungskräften suchen Unternehmen immer wieder neue Wege. Die Managementberatung A.T. Kearney hat gerade für ihre weiblichen Mitarbeiter ein neues Konzept ausprobiert: Die Managerinnen prüfen ihren Kampfgeist im Boxring.
Das Boxtraining soll den Kampfgeist weckenFoto: © Robert Kneschke - Fotolia.com
Auf dem Poster neben dem Boxring in Berlin-Kreuzberg reckt Filmheld Rocky Balboa die Fäuste, im Hintergrund wummert Rockmusik. Doch statt der Kerle aus dem Kiez, die sonst hier trainieren, erscheinen etwa 20 Frauen zwischen Mitte 20 und 50. Als die Mitarbeiterinnen der Managementberatung A.T. Kearney in die roten und blauen Boxhandschuhe schlüpfen, erklingt hier und da Gekicher. Keine weiß so recht, was sie gleich erwartet.Noch keine Frau auf Partnerebene

Die besten Jobs von allen

Denn ungewöhnlich ist auch ihre Box-Trainerin Heather Cameron: Die Kanadierin ist Politologin an der Uni Berlin. Nebenbei verhilft die Juniorprofessorin in Boxcamps Mädchen zu mehr Selbstbewusstsein und Durchsetzungskraft. Solch eine Anstoß haben die A.T. Kearney-Beraterinnen offenbar nötig. In Deutschland, Österreich und der Schweiz gibt es noch keine Frau auf Partnerebene.Topmanager Paul Laudicina will das ändern. Schließlich erwarten die Kundinnen Geschlechtsgenossinen als Ansprechpartner und leisten gemischte Teams bessere Arbeit. Das Boxtraining soll den Kampfgeist seiner Beraterinnen wecken und sie untereinander verdrahten. Kein Wunder, dass ihre Kollegen vorab witzelten: "Die Mädels wollen uns wohl mal so richtig auf die Matte schicken."Doch beim Training in Berlin geht keine k.o. oder holt sich eine blutige Nase. Im Gegenteil. "Viel wichtiger als Aggression und Körperkraft sind Improvisationstalent und eine gute Reaktion, um einen Kampf zu gewinnen", sagt Trainerin Cameron, Ex-Berlin-Meisterin im Weltergewicht. Und so üben ihre Schützlinge vor allem, die Situation einzuschätzen und sich schnell auf ihr Gegenüber einzustellen.Die Hierarchie der Frauen, die sich zuvor nie begegnet sind, wird neutralisiert durch ihre Sportkleidung. So tänzelt zum Beispiel die 43-jährige Prinzipalin Jeannette von Ratibor als Sparringspartnerin vor Juniorin Heike Kraft. Die eine schlägt, die andere weicht aus. Die rechte Faust schützt das Gesicht, während die Linke zustößt. "Man muss den anderen sozusagen lesen, um zu antizipieren, was kommt. Das erfordert Aufmerksamkeit und Konzentration", stellt Beraterin Anne Braess hochrot und verschwitzt fest.Mut, Taktik und Technik sind gefragt"Ich bin skeptisch hergekommen. Aber mit bloßem Schlagen hatte das Boxtraining wenig zu tun. Vielmehr handelt man kontrolliert und kann mit der richtigen Technik auch mal einen Haken einstecken", ergänzt Managerin Diana Bolle-Radszuhn aus Berlin. Und Kerstin Groß erntet verblüfftes, aber bestätigendes Gelächter als sie bekennt, dass sie Hemmungen abgelegt hat: "Es war interessant, wie es sich anfühlt, jemand zu schlagen, und ich bin überrascht, wie schwierig es ist, ein bewegliches Ziel hart zu treffen."Für die meisten Teilnehmerinnen liegt nach dem Box-Workshop der Vergleich zu ihrem täglichen Geschäft auf der Hand: Mut, Taktik und Technik sind in ihrem Alltag ebenfalls genauso gefragt wie das feine Gespür für den Kunden. Und Trainierin Heather Cameron sagt nach gut zwei Stunden zufrieden: "Jetzt ist den Teilnehmerinnen bewusst: ,Wir sind eine starke Gruppe'. Dieses Potenzial kann ihre Firma nun heben."Lesen Sie mehr zum Thema "Weiterbildung":Fortbildung mal andersMit Pausen zum Executive MBA
Dieser Artikel ist erschienen am 05.02.2010

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