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Consulting

Berater stellen weiter ein

Kirsten Ludowig
Nach den Boom-Jahren erwarten Experten für die Berater-Branche dieses Jahr bestenfalls ein leichtes Umsatzplus. Die Beratungen haben aber aus der Internetblase gelernt und stellen dennoch weiter ein. So binden sie frühzeitig die Führungskräfte von morgen.
Consultingfirmen blicken positiv in die ZukunftFoto: © Surrender - Fotolia.com
Externe Berater sind aus der deutschen Wirtschaft nicht mehr wegzudenken - und das hat sich auch in der Krise nicht geändert. Zwar haben viele Unternehmen ihre Beratungsbudgets in diesem Jahr zusammengestrichen und der Bundesverband Deutscher Unternehmensberater (BDU) rechnet bestenfalls mit einem leichten Branchenumsatzplus von drei Prozent - nach einem Anstieg um stolze 10,7 Prozent auf 18,2 Milliarden Euro im Jahr 2008; dennoch stellen viele der etwa 13 600 Beratungen in Deutschland neue Leute ein.Viele Beratungen stellen weiter ein

Die besten Jobs von allen

"Die großen Beratungen gehen davon aus, dass der Abschwung nicht von Dauer ist, und können es sich nicht leisten, gute Kandidaten vor den Kopf zu stoßen", sagt Dietmar Fink, Professor für Unternehmensberatung und -entwicklung an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg. Der Kampf um gute Mitarbeiter, in den sich die Beratungen in den Boom-Jahren 2004 bis 2008 regelrecht verbissen hatten, geht also auch in wirtschaftlich turbulenten Zeiten weiter. Nicht zuletzt wegen des demografischen Wandels und der Gefahr, dass zu wenig qualifizierter Nachwuchs nachkommt. Der aktuelle Recruiting-Kurs ist damit auch eine Lehre aus der Vergangenheit. Nach dem Platzen der Internet-Blase gerieten viele Beratungen in den Jahren 2001 und 2002 in heftiges Fahrwasser. Der Umschwung kam ziemlich überraschend, der Markt war bis zu diesem Zeitpunkt von Wachstum und positiver Umsatzentwicklung gekennzeichnet. Die Folge: Viele Berater wurden entlassen, Einstellungsstopps verhängt.Doch die Quittung für die Radikalkur kam prompt. Schon Anfang 2004 war von der Krise nicht mehr viel zu spüren - im Gegenteil: Die Beratungen suchten händeringend neues Personal; zum Teil konnten Projekte nicht realisiert werden, weil Mitarbeiter fehlten. Noch heute leiden manche in der Branche unter den Folgen, denn die Mitarbeiter, die damals nicht eingestellt wurden, fehlen nun auf der Führungsebene. Es ist ein Spagat, den die Beratungen versuchen. Der Plan: die bisherige Personalpolitik weitgehend unangetastet lassen, bis die Krise vorbei ist.So wollen Schwergewichte wie McKinsey & Company, Roland Berger Strategy Consultants und The Boston Consulting Group (BCG), die laut Branchen- und Unternehmensanalyst Lünendonk das Ranking der Top-25-Beratungen nach Umsatz in Deutschland anführen, auch im Krisenjahr 2009 jeweils zwischen 150 und 200 Absolventen und Young Professionals einstellen. Das sind zwar weniger als in der Vergangenheit, aber immer noch eine Menge im Vergleich zu anderen Wirtschaftszweigen und Arbeitgebern.Die Krise erhöht die AnsprücheSeit ein paar Jahren werden vor allem Kandidaten mit mehreren Jahren Berufserfahrung umworben. "Die Ansprüche der Kunden sind deutlich gestiegen", weiß Experte Fink. Dieser Trend hat sich in der Krise noch verstärkt: Zurzeit werden Berater vor allem für Projekte im Bereich Kostenreduzierung oder Finanzund Risikomanagement in die Unternehmen gerufen - da fordern die Kunden in erster Linie versierte Notärzte und nicht frisch ausgebildete Sanitäter.Generell suchen die Beratungen schon lange nicht mehr nur die im Fachjargon als "gestreamlined" bezeichneten uniformierten Volks- und Betriebswirtschaftler. Immer häufiger werden auch Kandidaten anderer Fachrichtungen eingestellt. Das zeigt zum Beispiel ein Blick auf die Zusammensetzung der aktuellen Belegschaft von McKinsey und BCG: Nur noch jeder Zweite hat einen wirtschaftlichen Hintergrund. Etwa 40 Prozent sind sogenannte "Exoten", also je zur Hälfte Ingenieure und Naturwissenschaftler, etwa zehn Prozent "Komplett-Exoten". Dazu gehören Historiker, Theologen und Philosophen; aber auch Musiker und Forstwissenschaftler sind inzwischen als Berater tätig.

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