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Behindert Mitgefühl die Karriere?
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Empathie

Behindert Mitgefühl die Karriere?

Jenny Niederstadt, wiwo.de
Empathie ist grundsätzlich gut. Gerade Chefs, die sich in andere hineinversetzen, führen angeblich besser und treffen klügere Entscheidungen. Doch jetzt warnen Forscher vor zu viel Einfühlsamkeit. Wer hat Recht?
Sie wollen irgendwann mal Chef sein oder ein besserer werden? Dann müssen Sie vor allem eine Fähigkeit besitzen: Empathie – also die Bereitschaft und Fähigkeit, sich in andere Menschen einzufühlen.

Diesen Eindruck gewinnt man zumindest beim Blick auf die Titel aktueller Ratgeber zu dem Thema. Die renommierte Wissenschaftlerin Tania Singer, Geschäftsführende Direktorin am Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaft in Leipzig, rät zu "Mitgefühl in der Wirtschaft"; für den Coach und Berater Andreas Graf ist Anteilnahme das "Führungsinstrument unserer Zeit"; der Wissenschaftsjournalist und Bestsellerautor Werner Bartens ist davon überzeugt, dass einfühlsame Menschen "gesund und glücklich" sind; und der amerikanische Ökonom Jeremy Rifkin fordert bereits seit Jahren eine "empathische Zivilisation".

Tatsächlich belegen Dutzende von Studien die Vorteile von Empathie – für den Körper ebenso wie für die Karriere. Wer sich in Kollegen, Kunden und Konkurrenten hineinversetzt, kann demnach besser mit Stress umgehen, leidet seltener an Depressionen und ist außerdem weniger schmerzempfindlich. Doch bei all den positiven Aspekten gerät ein wichtiges Detail in Vergessenheit: Empathie hat durchaus Schattenseiten.

Empathie laugt aus

Was sich vermeintlich leicht anhört, ist in Wahrheit harte Arbeit: In die Gefühlszustände anderer einzutauchen raubt Kraft. Studien belegen, dass Menschen, die besonders empathisch sind, schneller ermüden und sich von ihrem Job leichter überfordert fühlen. Grund dafür ist das Stresshormon Cortisol: Bei emphatischen Menschen flutet es den Körper stärker, denn Stress steckt wortwörtlich an – selbst wenn wir ihn nur bei anderen beobachten.

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