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Fest oder frei arbeiten?
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Kreativität und Innovation

Befreiung aus der Festanstellung

Teil 2: Schrumpfprozess in Unternehmen

Die Firmen nutzen, dass Menschen in ihrer Freizeit kreativ sind?

Unternehmen sind meist nicht in der Lage, die Kreativität ihrer Mitarbeiter im Job richtig zu nutzen. Die toben sich woanders aus, verwirklichen sich privat, und tun damit auch etwas für andere. Es entsteht ein Überschuss an Ideen und Talenten, ein "kognitives Surplus". Unternehmen können diese Ideen nutzen und versuchen immer öfter, an dieses Surplus heranzukommen.

Die Unternehmen brauchen dann vielleicht bald keine Marketingabteilung mehr. Etliche Abteilungen werden schrumpfen.

Eine Marketingabteilung wird es wohl weiter geben, aber die Aufgabe liegt hier mehr in der Fähigkeit, die Crowd zur Mitarbeit zu motivieren. Das ist eine zweite Entwicklung. Überspitzt heißt das: Die Menschen werden ihre eigenen CEOs, arbeiten wie Selbstständige. Firmen werden auf Internetplattformen Projekte ausschreiben, jeder kann sich um den Auftrag bewerben. Man kann sich auch mit anderen zusammenschließen und eigene Projekte entwickeln. Betroffen sind nicht nur die Marketingexperten: Mittelkomplexe Aufgaben, wie eine Steuererklärung zu machen, eine Reise zu buchen oder an der Kasse zu bezahlen, werden in Zukunft Computer für uns erledigen. Einfache Jobs werden nicht verschwinden, aber diese Jobs kommen massiv unter Druck. Da entsteht ein kognitives Proletariat, diese Menschen müssen sich neu orientieren.

In der Freizeit verwirklichen kann sich aber nur der, dessen Existenz gesichert ist.

Wenn die Menschen doch etwas tun und einen Mehrwert für die Gesellschaft schaffen, sollen sie dafür auch entlohnt werden. Auch wenn ich mir als Ökonom bei dem Wort jedes Mal auf die Zunge beiße: Dann brauchen wir vielleicht so etwas wie ein Grundeinkommen für alle. In Deutschland sind wir ohnehin schon auf dem Weg dorthin. Allerdings: Die Crowd als Lebens- und Arbeitsstil ist erst im Entstehen. Die meisten von uns arbeiten noch in der klassischen Hierarchie.

Die Gehälter, die heute die Firmen zahlen, soll einmal der Staat übernehmen, damit die Menschen als Freiberufler für die Unternehmen wieder kreativ sein können?

Letztlich zahlen es wieder die Unternehmen – über die Steuern. Kreativität braucht eine gewisse Sicherheit und Stabilität. Wir alle haben Phasen, in denen wir weniger produktiv sind. Das neue Argument beim Thema Grundsicherung ist aber, dass Unternehmen im Gegenzug Kreativität und Innovationen bekommen.


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