Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche
Karrierewechsel

Bauer sucht Neuanfang

Markus Schleufe / Zeit.de
Peter Heinrich Brix, bekannt aus der ARD-Serie Großstadtrevier, wagte spät eine zweite Karriere. Im Interview redet der ehemalige Landwirt über seine Anfänge als Schauspieler, seine Rollen, und das Risiko, mit Mitte 30 einen kompletten beruflichen Neustart zu wagen.
Schauspieler Peter Heinrich BrixFoto: © Thomas Leidig
Herr Brix, mit einer kleinen Rolle auf einem Feuerwehrfest begann ihre Schauspielkarriere. Wie kam es dazu?
Es war Zufall. Irgendwann fragte man mich, ob ich nicht mal anlässlich des Feuerwehrfestes in einem Einakter mitspielen wolle. Es hat mir riesigen Spaß gemacht. Das hat irgendwas in mir ausgelöst, was ich so nicht erwartet hatte – nämlich die Freude am Spielen.
Sie waren also ein Schauspiel-Naturtalent?
Zum "richtigen" Schauspieler war es noch ein langer Weg. Im Nachhinein war das, was ich dort auf der Bühne gespielt habe, nicht wirklich gut. Aber darauf kam es auch gar nicht an. Das Entscheidende war der Spaß am Schauspielern. Danach wuchs der Traum, vielleicht mal bei der Niederdeutschen Bühne in Flensburg, das ist ein semi-professionelles Theater, eine kleine Rolle zu bekommen. Aus meiner damaligen Sicht war das schon fast ein bisschen zu hoch gegriffen. Ich habe mich trotzdem dort vorgestellt.

Die besten Jobs von allen

Sie spielten dann mehrere Jahre an der Niederdeutschen Bühne in Flensburg Theater – parallel zu ihrem Beruf als Landwirt.
Ich bekam erst eine ganz kleine Rolle. Für mich war das ein riesiges Feld, denn dort war es schon sehr professionell. Der Leiter und der Regisseur waren ja Profis. Das Spielen war für mich ein wunderbarer Ausgleich. Ich habe dieses Wandern zwischen den Welten geliebt. Parallel zu meiner Schauspielerei baute sich in unserem Dorf auch eine kleine Künstler-Szene auf. Ein Sozialpädagoge aus dem Dunstkreis der Berliner Künstler-Szene wohnte schon im Dorf, außerdem zog ein Berliner Musiker zu uns. Der spielte seinerzeit Saxophon in einer Band. Diese Leute haben mich interessiert.
Bekannt geworden sind Sie 1995 mit der Rolle des Lothar Krüger in der ARD-Serie Großstadtrevier. Nach über 14 Jahren sind Sie 2009 aus der Serie ausgestiegen. Wie schwer fiel Ihnen der Ausstieg?
Es war schwer, weil eine Rolle auch immer ein Stück vom Leben ist. Andererseits schafft das dann auch wieder die Möglichkeit, neue Dinge angehen zu können. Das gehört zur Schauspielerei, einfach mal loszulassen und einen neuen Weg zu probieren.
Sie sind ausgebildeter, staatlich geprüfter Landwirt, in der Serie Neues aus Büttenwarder spielen Sie einen Landwirt. Eigentlich sollte Ihnen die Rolle leicht fallen …
So einfach ist das nicht, das hat nichts mit der beruflichen Qualifikation zu tun. Das hat mehr damit zu tun, dass man diesen Lebensraum kennt. Man kennt die Leute. Ich habe 30 Jahre lang in so einer Umgebung gelebt. Natürlich nicht so wie in Büttenwarder, das ist ja zugespitzt. Aber ein Stück weit zieht man etwas aus den Erfahrungen.
Inwiefern stellt die Rolle des Landwirts Arthur Tönnsen in Neues aus Büttenwarder für Sie auch eine Reise in die Vergangenheit dar?
Wenn ich dort an einen Misthaufen vorbei laufe oder einen alten Düngerstreuer sehe, dann assoziiere ich damit doch einiges aus alten Zeiten. Das alles ist schon die Welt aus der ich komme. Auch die Maschinen, die dort stehen, stammen aus der Zeit, als ich noch Landwirt war. In der modernen Landwirtschaft sind sie ja so kaum noch vorhanden.

Fair Company | Initiative

 

Themen im Überblick