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Neue Tugenden sind im Bankenjob gefragt
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Führungskräftenachwuchs

Banken gehen neue Wege bei der Bewerbersuche

Andreas Schulte
Teamfähig, integer, risikobewusst: Seit der Finanzkrise ist bei Banken ein neuer Typus von Führungskräften gefragt.
Den Banker von gestern will Stefan Döppes gar nicht mehr haben: "Bewerber, die hauptsächlich von Provisionen gelebt haben und jahrelanges Investmentbanking im Lebenslauf ausweisen, haben bei uns nur geringe Chancen", sagt der Recruiting-Verantwortliche für Fach- und Führungskräfte bei dem Finanzinstitut ING-Diba.

Döppes weiß auch, wen er stattdessen sucht: "Jemanden mit Risikobewusstsein und Verantwortung, Fairness und Wertschätzung. Auf solche Eigenschaften richten wir unseren Fokus seit der Finanzkrise noch stärker."

Nicht nur die ING-Diba ändert ihre Ansprüche an Bewerber. "Unter der Krise hat das Image vieler Banken gelitten", sagt Oliver Barth, der das Europa-Geschäft der Personalberatung CEB leitet.

Nachhaltiges Image

Jetzt feilen die Geldhäuser an ihrem Image. Sie rücken Werte wie Integrität, nachhaltige Leistung und Partnerschaft in den Vordergrund. Dieser Wertewandel schlägt sich auch in der Personalpolitik nieder.

"Die Banken suchen einen neuen Typus, gerade für Führungspositionen", sagt Barth.

Neue Erwartungshaltung an den potenziellen Arbeitgeber

Um diese Kandidaten aufzuspüren, gehen die Geldhäuser neue Wege. Bei der ING-Diba legt man neuerdings mehr Wert auf persönliche Empfehlungen. Der Grund: Wenn es um die weichen Faktoren geht, die an Bedeutung gewinnen, sind Zeugnisse nur wenig aussagekräftig. "Kollegen, die einen Bewerber empfehlen, stehen mit ihrem Namen dafür", sagt Döppes. Fast jeder empfohlene Bewerber erhalte deshalb auch ein Vorstellungsgespräch.

Der Wandel in der Finanzindustrie bewirkt nicht nur andere Anforderungen der Banken an künftige Führungskräfte. Auch die Kandidaten haben veränderte Erwartungen an ihre potenziellen Arbeitgeber.

Die Deutsche Bank will darauf reagieren. "Die neue Generation wünscht eine persönlichere Ansprache", sagte Anke Kirn, Personalmanagerin bei der Deutschen Bank, auf dem Fachkongress World Talent Forum Ende September in München.


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