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Technologie

Bahn frei für Techniker und Ingenieure

Kirstin von Elm
Mit vier Litern Sprit und Tempo 300 von Frankfurt nach Köln: Der Bahn gelingt das. Ingenieuren für Fahrzeugtechnik bieten sich aber noch mehr Gründe umzusteigen. Die Branche sucht dringend Nachwuchs.
Nathalie Harbig prüft die Belastbarkeit von BahnenFoto: © Carsten Herwig
Eine Woche vor dem Start der Olympischen Sommerspiele hatten die Chinesen ihren ersten Weltrekord schon in der Tasche: Mit Tempo 350 rauschte im vergangenen Juli der Hochgeschwindigkeitszug CRH 3 von Peking ins 115 Kilometer entfernte Tianjin. Er gilt seitdem als schnellster Zug der Welt.Aber nicht nur in China ist man stolz auf diese Leistung, sondern auch in Deutschland. Entwickelt wurde die China-Version des deutschen ICE 3 von Siemens und mehreren Zulieferern. Bis 2010 will die chinesische Staatsbahn 60 weitere der Rekordhalter in Betrieb nehmen. "Das Volk soll lieber im sicheren Mercedes sitzen und nicht im billigen, einfachen Honda", sagte das Pekinger Eisenbahnministerium zu seiner Entscheidung, nicht die japanischen Züge zu kaufen. Auch Russland und Spanien haben bei Siemens bereits Schienenflitzer geordert.

Die besten Jobs von allen

"Die Auftragsbücher sind gut gefüllt"Weltweit genießt Bahntechnologie "made in Germany" einen ausgezeichneten Ruf. Über die Hälfte der knapp zehn Milliarden Euro Branchenumsatz erzielen die deutschen Hersteller von Fahrzeugen, Komponenten und Infrastruktur für den Schienenverkehr im Ausland. Der Verband der Bahnindustrie in Deutschland (VBD) rechnet 2009 mit einer weitgehend stabilen Geschäftslage: "Die Auftragsbücher sind gut gefüllt", sagt Hauptgeschäftsführer Roland Pörner.Deutsche Unternehmen wie Siemens Transportation Systems, MTU Friedrichshafen, Thyssen-Krupp mit der Tochter GFT Gleistechnik, Vossloh und Voith Turbo Scharfenberg gelten auf vielen Gebieten als Technologieführer. So ist beispielsweise der ICE 3 beziehungsweise sein chinesischer Bruder CRH 3 der erste Hochgeschwindigkeitszug ohne tonnenschwere Triebköpfe. Stattdessen ist die Antriebstechnik elegant unter den Wagen verteilt. Das spart Gewicht und Energie, schafft zusätzlichen Platz für Passagiere - und verkauft sich trotz Wirtschaftskrise weltweit bestens.Doch auch hierzulande gibt es keine Absatzprobleme. Hersteller von Bahninfrastruktur, also Gleis- und Weichenbauer, Anbieter von Signal- und Steuerungstechnik oder Komponenten zur Stromversorgung, profitieren sogar vom aktuellen Konjunkturpaket: 2009 und 2010 will die Bundesregierung jeweils rund 300 Millionen Euro zusätzlich in die Modernisierung und den Ausbau des deutschen Schienennetzes investieren. Zudem beflügelt private Konkurrenz im Regionalverkehr die Nachfrage nach Personenzügen und Waggons: Mit schicken neuen Flotten wollen private Bahnbetreiber wie Arriva, Keolis oder Veolia im Wettbewerb um neue Strecken und Passagiere punkten und zwingen damit auch die Deutsche Bahn zum Aufrüsten.

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