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Fahrzeugtechnik

Autoindustrie: Der Klimawandel bringt neue Jobs

Julia Groth
Öko-Trend in der Autoindustrie: Die deutschen Hersteller setzen auf umweltschonende Antriebe - und suchen Spezialisten, die zukunftsweisendeTechniken entwickeln. Bis zu 3000 zusätzliche Jobs schafft die Klimadebatte.
Autobauer setzen auf klimafreundliche TechnologienFoto: © Sprinter81 - Fotolia.com
Schnelle Autos und viel Geld - was wie ein Klischee klingt, hat Markus Hönn ständig vor Augen: Sportwagen deshalb, weil der 27-jährige Ingenieur bei Porsche arbeitet. Und ein hohes Gehalt, weil er auf dem besten Weg ist, Karriere bei dem Autohersteller zu machen. Einem Praktikum bei Porsche in Stuttgart-Zuffenhausen folgte ein halbes Jahr Arbeit als Werkstudent am deutschen Firmensitz, dann ein Auslandspraktikum bei Porsche in Australien. Seine Diplomarbeit schrieb der Spezialist für Fahrzeugtechnik ebenfalls beim schwäbischen Sportwagenbauer, und jetzt wird er mit Unterstützung des Unternehmens promovieren.Diesen Kickstart verdankt der Wirtschaftsingenieur nicht nur seinem Talent, sondern vor allem seinem zukunftsweisenden Know-how in Mechanik und EDV: Am Bildschirm entwickelt der Jungingenieur digitale Prototypen zukünftiger Modelle und simuliert zusammen mit Kollegen sowohl das Crashverhalten der Autos als auch deren Kohlendioxidausstoß (CO2). Solche Tests führen die Autohersteller heute weitgehend am Computer durch, um Kosten zu sparen und die Umwelt zu schonen.

Die besten Jobs von allen

Weniger belastende Modelle herstellenBisher waren die deutschen Fahrzeuge nicht unbedingt für ihre vorbildliche Energieeffizienz bekannt. Das soll sich jetzt ändern. Die Hersteller verstärken ihre Bemühungen, ökologisch weniger belastende Modelle herzustellen. Diese Reaktion kommt spät, aber machtvoll. Noch Anfang 2007 schimpften Politiker und Umweltschützer über die deutsche Automobilindustrie. Im Zuge der Debatte um Klimaschutz, Feinstaub- und CO2-Emissionen mussten sich die international so beliebten deutschen Autos als Dreckschleudern und Spritfresser bloßstellen lassen. Durch den Aufruf "Leute, kauft Hybridautos von Toyota!", sorgte die Grünen-Fraktionsvorsitzende Renate Künast bei den deutschen Konzernlenkern wie Wendelin Wiedeking von Porsche, Rupert Stadler von Audi und Norbert Reithofer von BMW für Zähneknirschen.Angesichts der starken japanischen Konkurrenz und nicht zuletzt aufgrund neuer gesetzlicher Vorschriften arbeitet die Branche inzwischen mit Hochdruck daran, den CO2-Ausstoß ihrer Modelle zu senken und deutsche Autos an die Weltspitze der umweltschonenden Modelle zu lenken. Dringend gebraucht werden daher Mitarbeiter, die sich mit benzinsparenden Antrieben auskennen und zukunftsweisende Fahrzeugkonzepte entwickeln.Die Automobilindustrie, die hierzulande im vergangenen Jahr 254 Milliarden Euro Umsatz machte, stellt derzeit massiv ein. Allein zwischen Januar und September 2007 suchten die Unternehmen laut Erhebungen des Personaldienstleisters Adecco mehr als 2700 Absolventen technischer Studiengänge. Das sind fast 1 000 mehr als im entsprechenden Zeitraum 2006. Besonders gesucht sind derzeit Maschinenbau-, Elektro- und Wirtschaftsingenieure. Aber auch Fertigungs- und Verfahrenstechniker haben gute Chancen.
Foto: © Junge Karriere
Auffällig auch: Die Absolventen benötigen immer weniger Zeit, um ihren ersten Job zu finden. Hatten im Jahr 2006 rund 60 Prozent der Jungakademiker nach spätestens sechs Monaten einen Arbeitsvertrag in der Tasche, so ist diese Zahl im Jahr 2007 auf 66 Prozent angestiegen. Die Klimakehrtwende der deutschen Autobauer gibt dem Arbeitsmarkt zusätzliche Impulse. Etwa 2 000 bis 3 000 Stellen könnte das neue Umweltbewusstsein extra bescheren, schätzt Christof Wolfmaier.Der Dekan der Fahrzeugtechnik-Fakultät der Hochschule Esslingen prognostiziert: "Hybridantriebe werden die Hersteller in den kommenden zehn Jahren stark beschäftigen. Und die deutschen Pkw-Produzenten und -Zulieferer sind nicht gut darauf vorbereitet. Da entsteht ein großer Personalbedarf." Wer sich schon während des Studiums auf die neuen Umweltjobs rund um die zukunftsweisende Kombination aus Verbrennungs- und Elektromotor vorbereiten will, sollte Elektrotechnik, Fahrzeugtechnik oder Mechatronik studieren, rät Wolfmaier.Besonders den Mechatronikern sagen auch die Lobbyisten der Automobilindustrie eine rosige Zukunft voraus. "Mehr als 90 Prozent aller Sicherheits- und Umwelttechnologie-Neuerungen im Auto funktionieren mit elektronischen Daten- und Sensornetzen", schätzt Thomas Schlick, Geschäftsführer des Bereichs Umwelt und Technik im Verband der Automobilindustrie (VDA). Absolventen, die gleichermaßen Kenntnisse in der Mechanik, Elektronik und Informatik besitzen, haben deshalb überaus glänzende Karriereaussichten.Neue Werkstoffe entwickelnEbenfalls ein Karriere-Turbo ist Wissen zum Energiemanagement. Das belegt das Beispiel der Daimler AG. Das Traditionsunternehmen, das jährlich etwa 400 Ingenieure einstellt, hat im laufenden Jahr schon deutlich mehr Mitarbeiter mit dieser Expertise unter Vertrag genommen als bisher, heißt es aus Stuttgart. Die von zahlreichen Branchen verzweifelt gesuchten Maschinenbau- und Elektrotechnikingenieure haben laut Verbandschef Schlick nach wie vor im Autosektor beste Jobchancen. 48 Prozent mehr Maschinenbauingenieure als im vergangenen Jahr sucht die Branche derzeit, die Nachfrage nach Elektrotechnikingenieuren ist sogar um 58 Prozent gestiegen. Zu ihren wichtigsten Aufgaben gehört es, neue Werkstoffe zu entwickeln und die gesamte Umweltbelastung durch motorisierte Vehikel zu verringern.Genau das ist auch eine der Aufgaben von hoher Priorität bei Markus Hönns Arbeitgeber Porsche. Noch stößt ein Zuffenhausener Sportwagen pro Kilometer 297 Gramm des klimaschädigenden Gases CO2 aus. Der Schnitt, den europäische Autobauer über ihre gesamte Modellpalette berechnet bis 2008 erreicht haben sollten, liegt bei 140 Gramm. Bis 2012 will die EU diesen Wert auf 130 Gramm drücken. Hönns Projektarbeit hilft dabei, diese Ziele zu erreichen.
Foto: © Junge Karriere
Die Karriere des Wirtschaftsingenieurs aus Freiburg im Breisgau begann an der Technischen Universität Karlsruhe. Dort studierte er Wirtschaftsingenieurwissenschaft mit dem Schwerpunkt Fahrzeugbau und Verbrennungsmotoren. Weil er sich in seinem Praktikum bewährte, konnte er die gesamte Förderkette durchlaufen, die Porsche besonders talentiertem Nachwuchs anbietet, inklusive Diplomarbeit und Promotion im Unternehmen. Viel Zeit hat er für seine Dissertation allerdings nicht. "Etwa drei Viertel meiner Arbeitszeit widme ich mich Projekten bei Porsche", sagt Hönn. Er hofft, dass aus seinem zunächst auf drei Jahre befristeten Vertrag in zweieinhalb Jahren eine Festanstellung wird.

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