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Arbeitsmarkt

Ausländische Fachkräfte kehren Deutschland den Rücken

Teil 3: Regeländerungen genügen nicht

Ärzte 
Ärzte sind gefragt – doch ausländische Absolventen greifen nur selten zu.

Foto: M. Büdenbender/Pixelio

Ziel ist ein Gesetzesentwurf, der noch in diesem Jahr in den Bundestag eingebracht werden könnte. Auch beim von Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) angestoßenen Fachkräftegipfel spielt Zuwanderung eine Rolle, wenngleich die erste Sitzung in dieser Hinsicht Ernüchterung brachte: Die Bundesregierung geht nach wie vor davon aus, einen Großteil des bis 2025 mit 6,5 Millionen Arbeitskräften bezifferten Fachkräftemangels durch Alte und Mütter kompensieren zu können.

Doch auch sie weiß: In Zeiträumen von zehn oder 15 Jahren kann man hier Potenziale erschließen – um aber kurzfristig auf Engpässe reagieren zu können, ist Zuwanderung das einzige Mittel. Deshalb drehen sich ihre Ideen um veränderte Mindestverdienstgrenzen, Vorrangprüfungen und Aufenthaltsregelungen für Absolventen.

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Doch dass diese Regeländerungen allein genügen, um die Zuwanderung nach Deutschland zu steigern, ist mehr als fraglich. Schaut man sich die Realität der Einwanderung an, knirscht es an ganz anderen Punkten. Von der ersten Kontaktaufnahme bis zur Eingliederung in die Gesellschaft ist die deutsche Zuwanderungspolitik ein großes Missverständnis.

Wer Deutschland zum ersten Mal ins Gesicht blickt, der darf kein Lächeln erwarten. Gerald Schomann ist groß und eher schmächtig, seine Mimik kühl, er spricht mit Bedacht, aber ohne Betonung. Schomann leitet die Abteilung "Incoming" der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung, ihrerseits Tochter der Bundesagentur für Arbeit.

"Willkommen in Deutschland"

Schomann soll dafür sorgen, dass ausländische Arbeitskräfte nach Deutschland kommen, wenn hier die Fachleute knapp sind. Dafür reist er auf internationale Jobmessen, gerade war er in Lissabon. Auf den meisten Plakaten, vor denen er dort den Arbeitsstandort präsentiert, steht "Willkommen in Deutschland". Warum nicht lieber "Welcome" und "Germany"?

"Den meisten deutschen Unternehmen ist die Beherrschung der Sprache immens wichtig", antwortet Schomann. Das kann man pragmatisch sehen wie Schomann, der vor allem das Ziel hat, mit seinen engen Mitteln und seinem kleinen Team von nur elf Kollegen möglichst viele interessante Bewerber mit nach Deutschland zu bringen. Oder man sieht es grundsätzlicher, dann liegt hier die erste Hürde auf dem Weg in den Arbeitsmarkt: die deutsche Sprache.

Einerseits hat man sich hierzulande im Gegensatz zu vielen kleinen Ländern nie damit abgefunden, dass die eigene Sprache schlichtweg zu unbedeutend ist und sie deswegen in der akademischen Arbeitswelt nicht – wie etwa in Skandinavien – durchs Englische ersetzt.

Dabei hat Deutsch gegenüber Englisch, Spanisch, Französisch oder Chinesisch kräftig an Bedeutung verloren: Während mehr als 90 Prozent der Schüler in der EU Englisch lernen und immerhin noch gut ein Drittel Französisch, erwerben laut EU-Kommission gerade einmal 14 Prozent Grundkenntnisse in Deutsch. Zwischen 2000 und 2010 hat die weltweite Zahl der Deutschlerner an Schulen und Universitäten nach Angaben des Goethe-Instituts um 30 Prozent abgenommen.



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