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Ein Kollege mit Schlafproblemen kann schlecht fürs Betriebsklima sein.
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Schlafmangel

Ausgeruhte Angestellte sind die besseren Mitarbeiter

Tina Groll , zeit.de
Jeden Tag entstehen durch übermüdete Mitarbeiter Milliardenschäden in der Wirtschaft. Warum Schlafpausen sinnvoll wären.
Übermüdet bei der Arbeit? Das kann nicht nur in sicherheitsrelevanten Jobs mitunter böse Folgen haben. Eine neue Studie hat ermittelt, dass allein in Deutschland pro Jahr mehr als 200.000 Fehltage durch Übermüdung und deren Folgen entstehen. Und dass Mitarbeiter, die zu wenig Schlaf bekommen, einen Schaden in Höhe von 57 Milliarden Euro pro Jahr verursachen. Das berichtet die Wirtschaftswoche.

Wie kommt man auf so eine Summe? Zum einen sinkt durch Schlafmangel die Leistungsfähigkeit und Produktivität. Besonders heftig sind die Leistungseinbußen bei Schlafmangel, vor allem, wenn dieser chronisch wird. Studien zeigen, dass Menschen, die häufig weniger als sechs Stunden schlafen, öfter unkonzentriert sind und machen mehr Fehler als solche, die zwischen sieben und acht Stunden geschlafen haben. Das hat natürlich Auswirkungen auf das Arbeitsergebnis und den Output generell, aber auch auf die Kreativität und somit auch für die Innovationsfähigkeit eines Unternehmens. Und: Wer unter ständigem Schlafmangel leidet, erkrankt häufiger, denn unter dem Schlafdefizit leidet auch das Immunsystem. Das Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten und Diabetes steigt. Die Statistik zeigt auch, dass chronisch müde Mitarbeiter durchschnittlich mehr Tage im Jahr fehlen als Mitarbeiter, die einen gesunden Schlaf haben. Für Unternehmen bedeutet dies wiederum Kosten.

Schichtarbeiter sind besonderen Belastungen ausgesetzt

Oft kommen noch psychische Faktoren dazu: Schlafmangel wirkt sich negativ auf das geistige Wohlergehen aus. Übermüdete sind leichter reizbar und reagieren häufig stark emotional. Zugespitzt kann man sogar sagen: Ein Kollege mit Schlafproblemen kann schlecht fürs Betriebsklima sein.

Allerdings ist wahrscheinlich jeder Berufstätige mal unausgeschlafen und übermüdet bei der Arbeit. Nur neun Prozent der Deutschen schlafen regelmäßig weniger als sechs Stunden pro Nacht. Von Schlafproblemen sprechen Mediziner aber bereits, wenn Patienten seit über einem Monat mindestens drei Nächte oder mehr in der Woche keinen durchgehenden und erholsamen Schlaf haben und infolge dessen tagsüber erschöpft und gereizt sind. Tatsächlich macht aber so gut wie jeder Mensch einmal im Leben eine solche Phase durch. Oft haben Schlafprobleme psychische Ursachen. Allerdings sind besonders Schichtarbeiter gefährdet, vor allem, wenn sie regelmäßig nachts arbeiten müssen. Der Arbeitsschutz setzt daher enge Grenzen an Nachtarbeit und sieht eine Reihe von Kompensationen und präventiven Maßnahmen vor. Auch müssen Arbeitnehmer, wenn Nacht- und Schichtarbeit sie nachweislich krank machen, aus diesen belastenden Schichten rausgenommen werden. Das ergibt sich aus der Fürsorgepflicht des Arbeitgebers.

Ruheräume genießen (noch) kein gutes Image

Noch besser ist es, wenn Unternehmen Pausen- und Ruhezeiten ernst nehmen – und Beschäftigten erlauben, sich zwischendurch auszuruhen. Schlafen im Büro ist hierzulande allerdings immer noch ein Tabu, auch wenn immer mehr Firmen Ruhe- und Relaxräume einrichten, in denen sich übermüdete Mitarbeiter ausruhen können. Eine Studie von Schlafforschern aus dem Jahr 2007 stellte fest, dass gerade mal sechs Minuten Schlaf ausreichen, um die Gedächtnisleistung zu verbessern. Allerdings trauen sich selbst in Unternehmen, die Ruheräume haben und für deren Nutzung werben, Mitarbeiter oft nicht, diese auch zu nutzen. Wer tagsüber in der Arbeitszeit schläft, gilt immer noch als fauler Leistungsverweigerer – dabei wäre das Gegenteil der Fall.

Übrigens: Eine Langzeitstudie der Harvard School of Public Health unter 24.000 Menschen aus Griechenland zeigte, dass Menschen, die mindestens dreimal in der Woche eine halbe Stunde lang tagsüber schliefen, ein um 37 Prozent geringeres Risiko für einen Herzinfarkt hatten, weil im Schlaf Stresshormone schneller abgebaut werden. Zwischendurch schlafen zu können, kann somit sogar das Leben verlängern.


Zuerst veröffentlicht auf: zeit.de
Dieser Artikel ist erschienen am 15.12.2016

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