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Digitalfabrik fürs Arbeiten 4.0
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Wandel der Finanzbranche

Aus der "Old School" in die Digitalfabrik

Teil 2: Gute DNA in Frankfurt

Viele Banken suchen inzwischen den Schulterschluss mit jungen Anbietern neuartiger Technologien, die am Kapitalmarkt oft hoch gehandelt werden.

So investiert die Commerzbank über ihre Tochter Commerz Ventures in Unternehmen mit innovativen Ideen. Die Deutsche Bank kooperiert mit einer ganzen Reihe von Fintechs und entwickelt etwa mit dem Hamburger Start-up Figo eine "digitale Hausbank", die Nutzern Vermögen und Kredite auch von Fremdbanken auf einen Blick zeigt.

In einer "Digitalfabrik" in Frankfurt tüfteln zudem seit Anfang Juni Berater, Produktexperten und Softwareentwickler für die Deutsche Bank an neuen digitalen Angeboten.

Rosige Zukunft

Der Finanzplatz Frankfurt hat als Fintech-Hochburg eine rosige Zukunft, daran glaubt nicht nur Börsen-Chef Kengeter. "Frankfurt hat großes Potenzial, Deutschlands führender Fintech-Standort zu werden", schreiben die Experten des Beratungsunternehmens EY.

Notwendig sei jedoch eine Bündelung der diversen Aktivitäten. "Wir haben im Grunde alles, was eine gute DNA ausmacht, in Frankfurt. Was noch ein bisschen fehlt, ist der Kristallisationspunkt", sagt EY-Partner Christopher Schmitz. Die Fintech-Szene im Rhein-Main-Gebiet brauche "eine Art Katalysator".

Von den boomenden Fintech-Regionen London und Kalifornien sind Deutschland und Frankfurt noch meilenweit entfernt. Den Markt in Großbritannien beziffern Experten auf ein Volumen von 8,9 Milliarden Euro und 61.000 Mitarbeiter, in Kalifornien sind es 6,3 Milliarden Euro und etwa 74.000 Mitarbeiter. Dagegen ist die Fintech-Szene in Deutschland mit einem Marktvolumen von 2,4 Milliarden Euro und etwa 13.000 Beschäftigten noch relativ klein.

Wo bleibt der Mut?

Klaus Hommels, Chef der Beteiligungsgesellschaft Lakestar, die früh zum Beispiel in Unternehmen wie Skype, Xing und Spotify investierte, vermisst die Risikobereitschaft in Deutschland: "Bei uns sind selbst große, hochprofitable Unternehmen vorsichtig mit Investments im zweistelligen Millionenbereich. Uns fehlt einfach der Mut", sagte Hommels im Handelsblatt-Interview.

Immerhin: Nach EY-Zahlen schnellte die Zahl deutscher Fintechs in den Jahren 2013 bis 2015 um mehr als 70 Prozent auf etwa 250 in die Höhe. Auch die Investitionen in diesem Bereich in Deutschland legten deutlich von 80 Millionen Euro 2013 auf 524 Millionen Euro 2015 zu.

Deutsche-Börse-Chef Kengeter ist überzeugt: Die angestrebte Fusion mit der Londoner Börse LSE würde auch der Gründerszene in Deutschland einen Schub geben: Die Unterstützung für Fintechs würde "mit einer enormen Hebelwirkung multipliziert". Der Betriebsrat der Deutschen Börse indes fürchtet, dass London künftig den Ton in dem geplanten Gemeinschaftsunternehmen angeben wird. Die Förderung von Fintechs mute somit "ein wenig wie ein Trostpflaster für den Finanzplatz Frankfurt an", urteilen die Arbeitnehmervertreter.

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de
Dieser Artikel ist erschienen am 17.06.2016

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