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Frau muss sich durchsetzen
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Allein unter Männern

Aus dem Leben einer weiblichen Führungskraft

Teil 2: Überkommenes Weltbild

Kein Wunder, dass die Autorin auch den tüchtigsten attraktiven Blondinen nicht viel Hoffnung machen kann. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass man eigentlich als Frau ein Mann sein müsse, um in der deutschen Wirtschaft Karriere zu machen: "…doch man darf sich keinesfalls so verhalten wie ein Mann. Man muss es schaffen, als Frau geschlechtsneutral betrachtet zu werden und trotzdem die Kompetenzen, die man als Frau mitbringt, einzubringen. Dann kann es funktionieren."

Wie und vor allem mit welchen Nebenfolgen es funktioniert, beschreibt die Autorin an einer Fülle von teilweise höchst amüsanten Beispielen. Ob es sich um den firmeneigenen Fahrdienst handelt, der immer wieder Gründe findet, weshalb kein Auto zur Verfügung steht, weil eine Topmanagerin im Weltbild der Fahrer nicht vorkommt, oder um die Sekretärin, der nicht so ohne weiteres zugemutet werden kann, dass sie der Chefin den Kaffee an den Schreibtisch bringt, während das bei einem männlichen Chef schon aufgrund der "natürlich Rangfolge" überhaupt kein Problem ist:

Stets beschreibt die Autorin mit Witz und Ironie auch ihre eigenen Skrupel, die Chefrolle auszufüllen. Männer, heißt es an einer Stelle, hätten die Hierarchie verinnerlicht, "ich reflektiere sie andauernd".

Forderndes Auftreten ist wichtig

Männer können sich anscheinend überhaupt mehr herausnehmen, dürfen sich in der Öffentlichkeit betrinken, derbe Witze reißen oder mit der Kellnerin flirten, was umgekehrt unmöglich sei: "Man stelle sich vor, eine weibliche Führungskraft würde in alkoholisiertem Zustand in eindeutiger Weise mit dem Kellner flirten!"

Männer, so die Autorin, glaubten auch wie selbstverständlich, dass ihnen ein höheres Gehalt zustehe, Frauen hingegen hätten Angst unverschämt zu wirken und gäben sich mit einem Lob zufrieden – nicht weil sie bescheidener sind, sondern weil sie noch nicht kapiert haben, "dass allein ein forderndes Auftreten zum Erfolg führt, der sich in barer Münze auszahlt".

Selbstkritik schadet im Job – laut sein, dröhnendes Selbstbewusstsein zeigen, wird dagegen belohnt.

Im Zoo der Alphatiere

Zu den Glanzstücken des Buch zählt das Kapitel über die Manieren im Zoo der Alphatiere. Sie sind so gut wie nicht vorhanden. Von Ausnahmen abgesehen, heißt es, sind im Berufsalltag der Topmanager Umgangsformen außer Kraft gesetzt, "besonders wenn man sich schon länger kennt".

Grobe Unhöflichkeiten seien an der Tagesordnung, Entschuldigungen nicht vorgesehen. Auch nicht gegenüber Frauen, für die es keine Sonderbehandlung gebe. Dabei hätte sie "gegen eine zuvorkommende Behandlung seitens der Männer gar nichts einzuwenden".

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