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Personalberater Rolf Stokburger im Interview

"Aufsichtsräte werden jünger"

Interview: Claudia Obmann
Warum die Bestellung von neuen Aufsichtsräten so mühsam ist, erläutert Rolf Stokburger, Partner der internationalen Personalberatung Boyden.

Kandidaten für den Aufsichtsrat wägen heute eher ab, ob sich der Einsatz lohnt. Foto: St. Hofschläger/Pixelio

Die Aufsichtsratsbesetzung wird schwieriger, immer öfter werden Personalberater beauftragt. Warum wollen die Kandidaten nicht mehr?

Rolf Stokburger: Früher galt das Angebot eines Aufsichtsratsmandats als Ehre, heute bitten sich Kandidaten Bedenkzeit aus. Sie wägen genau ab, ob sich ein Einsatz lohnt. 

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Woran liegt’s?

Stokburger: Vor allem die verschärften Haftungsregeln, die gestiegenen Qualifikationsanforderungen, aber auch der deutlich gestiegene Arbeitsaufwand pro Mandat, will wohl bedacht sein.
Foto: Boyden
Das heißt, die Zeit der Hobby-Aufsichtsräte, die sich auf dem Weg zur Sitzung vorbereiteten, ist vorbei?

Stokburger: Ja. Ein Dax-Mandat ist kein Nebenjob mehr. Wir werden 2012 und 2013 eine Wechselwelle bei Aufsichtsräten beobachten. So mancher Kontrolleur wird auf eine weitere Bestellung verzichten. Es wird ein Generationenwechsel stattfinden. 

Die Aufsichtsräte werden also jünger. Wird denn auch ein neuer Typus Einzug halten?

Stokburger: Mit einem bekannten Namen allein lässt sich nicht mehr punkten, stattdessen zählen Know-how, Persönlichkeit und Einsatzbereitschaft des neuen Kontrolleurs mehr denn je. Und es schlägt die Stunde der Aufsichtsrätinnen. Wir stellen fest, dass zunehmend weibliche Aufseher aus dem Ausland nach Deutschland kommen. So schlagen Unternehmen in Sachen Vielfältigkeit im Kontrollgremium zwei Fliegen mit einer Klappe. 

Wieso?

Stokburger: Es ist zum einen klug, weibliche Talente und ihre Sichtweisen in die männerdominierten Gremien zu holen, um insgesamt ausgewogenere Entscheidungen zu fällen. Wenn diese Aufsichtsrätinnen dann auch noch aus dem Ausland stammen, bringen Sie eine internationale Perspektive in das Kontrollorgan ein. Genau diese Vielfalt verlangt der Corporate-Governance-Kodex. Dieser Trend wird sich verstärken.

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Dieser Artikel ist erschienen am 03.08.2011

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