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Aufputschen für den Job
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Fehlzeitenreport

Aufputschen greift um sich

Ferdinand Knauß, wiwo.de
Suchtmittel verursachen Millionen Fehltage in Deutschland. Besonders besorgniserregend ist der wachsende Konsum von leistungssteigernden Substanzen, wie eine Studie der AOK zeigt.
Der Missbrauch von leistungssteigernden Mitteln am Arbeitsplatz greift immer mehr um sich und verursacht eine steigende Zahl von Krankheitsausfällen. Die traditionellen Suchtmittel Alkohol und Tabak verursachen aber nach wie vor die meisten Fehltage.

Die Zahl der durch Suchtmittel verursachten Fehltage ist in den letzten zehn Jahren um rund 17 Prozent angestiegen: Von 2,07 Millionen Fehltagen im Jahr 2002 auf 2,42 Millionen 2012. Das geht aus dem neuen "Fehlzeiten-Report 2013" hervor, den das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) heute in Berlin veröffentlichte.

Neue Suchtmittel wie das sogenannte "Gehirndoping" seien erkennbar auf dem Vormarsch - ausgehend aber noch von einem geringen Niveau.

Gegen beruflichen Stress

"Um berufliche Stresssituationen zu bewältigen, haben nach unserer Befragung immerhin fünf Prozent der Arbeitnehmer in den letzten zwölf Monaten Medikamente wie beispielsweise Psychopharmaka oder Amphetamine zur Leistungssteigerung bei der Arbeit eingenommen. Bei den unter 30-Jährigen trifft dies immerhin auf jeden Zwölften zu", sagte Helmut Schröder, stellvertretender Geschäftsführer des WIdO.

"Die Dunkelziffer dürfte noch erheblich größer sein, denn Studien zeigen, dass viele Menschen bereit sind, bei hoher Arbeitsbelastung stimulierende Mittel einzunehmen."

Wirkung besser erforschen

Uwe Deh, Geschäftsführender Vorstand beim AOK-Bundesverband, beklagte die geringe Erforschung der Wirkung von leistungssteigernden Mitteln. "Damit wir diesem Trend wirksam Einhalt gebieten können, müssen wir noch besser verstehen, welche Präventionsprogramme tatsächlich Wirkung zeigen. Leider dominiert in Deutschland die Grundlagenforschung. Der politische Rückenwind für eine praxisnahe Präventions- und Versorgungsforschung fehlt bisher. Das muss sich dringend ändern", sagte Deh.


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