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Mein Beruf

Auf hoher See: Arbeiten auf der Aida

Kerstin Skork
Zuerst die schönen Seiten: Sven Fahles Arbeitgeber zahlt Kost und Logis, schickt ihn nur in die sonnigsten Gegenden der Erde und gibt ihm zweieinhalb Monate Urlaub pro Jahr. Dafür muss der 35-Jährige aber auch sieben Tage in der Woche arbeiten - und das bis zu sechs Monate am Stück.
Arbeiten und relaxen - ein harter Job?Foto: © © Bernadett Szombat - Fotolia.com
Sven Fahle ist Chief Purser - zu Deutsch: Oberzahlmeister - auf dem Kreuzfahrtschiff Aida Diva. Der Duisburger ist verantwortlich für alle kaufmännischen und finanziellen Angelegenheiten an Bord. Er verwaltet die Schiffskasse, tauscht Währungen, begleicht Hafengebühren und verantwortet die Pass- und Zollabfertigung. So etwas wie Feierabend gibt es an Bord nicht. Rund um die Uhr steht Fahle zur Verfügung. "Dafür sorgt mein Beeper", sagt er.Den Großteil seiner Zeit verbringt der Chief Purser vor dem Computer in seinem Büro. Während die Passagiere auf dem Sonnendeck liegen, sitzt Fahle in einem zehn Quadratmeter kleinen, fensterlosen Raum direkt hinter der Rezeption, für deren Leitung er auch zuständig ist. An den gelben Wänden hängen Schiffspläne.

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Drei feste Termine bestimmen seinen Tagesablauf: das Einklarieren, das Regeln der Formalitäten mit den Behörden, wenn das Schiff morgens einläuft; das Ausklarieren, wenn es abends ausläuft; und das Abteilungsleiter-Meeting um halb zehn. Die Mannschaft an Bord spricht Englisch. Die Leidenschaft für das Arbeiten auf dem Wasser liegt in Fahles Familie: Schon der Großvater ist zur See gefahren. Doch Fahle schlug erst einmal eine andere Richtung ein. Er machte eine Ausbildung zum Bürokaufmann bei einem Duisburger Möbelhändler. Eigentlich nur zum Urlaubmachen besuchte er vor gut zehn Jahren eine Freundin, die als Kinderanimateurin auf einem Hotelschiff arbeitete. Dort entdeckte er sein Interesse an der Seefahrt. Fahle blieb zwei Wochen, begleitete Ausflüge als Hilfs-Scout und bekam am Ende ein Jobangebot.Wie in einem Hotel musste er an Bord ganz unten anfangen, als Rezeptionist bei einer Bremer Reederei. Dafür nahm er bei seinem Duisburger Arbeitgeber ein Jahr Auszeit. "Ich hatte weder Schiffs- noch Führungserfahrung", erinnert er sich, doch er lernte schnell. Als sechs Monate später seine Chefin vier Wochen von Bord musste, übernahm er ihre Vertretung und hinterließ einen guten Eindruck. Kurz darauf kündigte der damalige Chief Purser, Fahle bekam dessen Stelle - da war er gerade mal neun Monate auf dem Schiff.Seit 2002 arbeitet er für die Rostocker Reederei Aida und hat mittlerweile neun Mitarbeiter unter sich. "Was die Purserei angeht, bin ich jetzt ganz oben angekommen", sagt er. Die nächsten Stufen auf der Karriereleiter heißen Hotelmanager oder Clubdirektor. "Aber eigentlich bin ich glücklich als Chief Purser."
Dieser Artikel ist erschienen am 12.10.2007

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