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Foto: G. Altmann/Pixelio
Meine Mitbewerber

Auf der Lauer

Anne Koschik
Für eine Anstellung als Jurist müssen Bewerber aufs Ganze gehen: Denn eine Auswertung von 1,5 Millionen Suchabfragen in Stellenbörsen, Zeitungen, Zeitschriften, der Bundesagentur für Arbeit und auf Firmenwebsites macht deutlich, dass Jobangebote für Juristen doppelt so viele Interessenten anziehen wie der Durchschnitt aller Stellenzeigen überhaupt.

Konkurrenten schlafen nicht


Berlin ist bei Juristen beliebt: Von den rund 10.000 Suchanfragen in den vergangenen drei Monaten bezogen sich zehn Prozent auf die Hauptstadt. Viele Bewerber zieht es auch zur Festanstellung nach Frankfurt, München und Hamburg. Grafik: karriere.de

Jobklassiker:

Besonders stark gefragt sind Volljuristen für Handels- und Gesellschaftsrecht, Arbeits-, Patent- sowie Steuerrecht und Wirtschaftsjuristen

Jobausreißer:

Nicht zuletzt die Wirtschaftskrise hat den Themen IP (Intellectual Property) und Compliance, Stichwort „Korruption“, Auftrieb verliehen.

Die besten Jobs von allen

Zur Situation der Rechts- und Fachanwälte

Viele selbstständige Rechtsanwälte sind auf der Suche nach lukrativen MandatenFoto: G. Altmann/Pixelio
Auf 153.251 gut verdoppelt hat sich die Zahl der Rechtsanwälte seit 1995. Auffällig ist, wie sich die Zahl der Fachanwälte erhöht hat – allein von 2009 auf 2010 um 7,87 Prozent. Insgesamt wurden bislang 38.745 Titel in den 20 Fachanwaltschaften vergeben. Neben der Qualitätsoffensive liegt das, so die Bundesrechtsanwaltskammer, an der seit Ende 2009 bestehenden Möglichkeit, nun drei statt bis dato nur zwei Fachanwaltstitel führen zu dürfen.

Top Five: Fachanwaltschaften

  1. 1) Arbeitsrecht (8.368 Titel)
  2. 2) Familienrecht (8.098 Titel)
  3. 3) Steuerrecht (4.463 Titel)
  4. 4) Verkehrsrecht (2.420 Titel)
  5. 5) Strafrecht (2.414 Titel)
Quelle: Bundesrechtsanwaltskammer

Attraktive Arbeitgeber für Juristen

Wirtschaftskanzleien sind nach wie vor die attraktivsten Arbeitgeber für Juristen. Doch zunehmend ziehen (Groß-)Unternehmen das Interesse der Bewerber auf sich.
Foto: squidonius/SXC
In Wirtschaftskanzleien ist Karriere programmiert – die Einstiegsgehälter sprechen Bände. Doch für Bewerber ist das längst nicht mehr alles, was zählt. Speziell die Jüngeren legen wieder mehr Mert auf ein vernünftiges Verhältnis von Job und Privatleben. Im azur100-Ranking, das jährlich die attraktivsten Arbeitgeber für Juristen ermittelt, wird deutlich, dass (Groß-)Unternehmen gegenüber den Wirtschaftskanzleien auffällig an Boden gut gemacht haben. Sie nehmen bereits ein Drittel der Plätze ein – und gelangen auch zunehmend in die vorderen Regionen der Top 100. Interessant ist, dass speziell Absolventen auch den Staatsdienst als Wunscharbeitgeber ins Auge gefasst haben: Auswärtiges Amt, Bundesjustizministerium, Europäische Kommission und Bundeskriminalamt stehen in der Gunst der Berufsanfänger weit oben.Top Ten: Bei Bewerbern beliebt
  1. 1) Siemens
  2. 2) BMW
  3. 3) Lufthansa
  4. 4) PWC
  5. 5) Audi
  6. 6) Porsche
  7. 7) KPMG
  8. 8) Deutsche Bank
  9. 9) Daimler
  10. 10) Beiersdorf
      Quelle: azur100/Juve

      Top-Wirtschaftskanzleien in Deutschland
      • 1) Freshfields Bruckhaus Deringer
      • 2) Hengeler Mueller
      • 3) Linklaters
      • 4) Clifford Chance
      • 5) Gleiss Lutz
      • 6) Allen & Overy
      • 7) CMS Hasche Sigle
      • 8) Hogan Lovells
      • 9) Latham & Watkins
      • 10) Shearman & Sterling
      Quelle: Juve

    Foto: S. Rossmann/Pixelio

    Arbeitslose Juristen:
    Schwer zu identifizieren

    Schon legendär sind die Geschichten von den Rechtsanwälten, die mangels optimaler Jobbedingungen ihren Unterhalt als Taxifahrer verdienen. Doch manch ein Jurist bietet tatsächlich gleich die Taxifahrt mit mobiler Anwaltstätigkeit in Personalunion an. Immerhin besser als arbeitslos. – Ja? Selbstständigkeit ist bei Juristen nur selten der Königsweg. Sie ist besonders für diejenigen Jura-Absolventen, die aufgrund nicht "voll befriedigender" Leistungen im Bewerbermarkt schlecht dastehen, oft der letzte Ausweg, um nicht arbeitslos zu werden. Tatsächlich: Im Vergleich zu anderen Berufsgruppen sind Juristen in der Regel nur sehr kurz und weniger als 1.000 Juristen länger als ein Jahr arbeitslos, wie Martin Henssler, Präsident des Deutschen Juristentages betont.

    In der offiziellen Statistik wird die Arbeitslosenquote für die Berufsgruppe der so genannten „Rechtsverwahrer“ mit 11,9 Prozent angegeben. Dies sage aber nicht wirklich viel aus, bestätigt das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), das die Berufsstatistiken regelmäßig ermittelt. Denn was wie eine überdurchschnittlich hohe Arbeitslosenquote erscheint, ist nicht repräsentativ: Weil nämlich Juristen zum Großteil Freiberufler oder Beamte sind, die nicht sozialversicherungspflichtig gemeldet und in den Statistiken also nicht erfasst sind. Und ein weiterer Teil der Juristen arbeitet nicht in traditionellen Rechtsberufen und ist daher statistisch anderen Berufsgruppen zugeordnet.

    Bleibt aber dennoch festzustellen: Von den circa 6.000 arbeitslos gemeldeten Juristen haben vier Fünftel einen Universitätsabschluss und zwei Drittel sind unter 35 Jahre alt.

    Links für Juristen:

    Tipps zur Gründung einer Anwaltskanzlei: http://anwaltverein.de/berufsstart/dav-ratgeber
    Deutscher Juristentag: www.djt.de
    Bundesrechtsanwaltskammer: www.brak.de
    Bund deutscher Juristen: www.bunddeutscherjuristen.org
    Deutscher Juristinnenbund: www.djb.de
    Bundesverband der Wirtschaftsjuristen von Fachhochschulen: www.wjfh.de


    Dieser Artikel ist erschienen am 31.03.2011

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