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Headhunter werben immer öfter ganze Teams ab
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Headhunter

Auf der Jagd nach dem besten Team

Teil 3: "Alles, was jemand im Kopf hat, darf er mitnehmen, alles andere nicht"

Damit aber nicht genug. Manch ein Arbeitnehmer will seiner ehemaligen Firma bewusst schaden: Kliemt kennt die Fälle, in denen elektronische Adressbücher oder Kundenlisten vor dem Wechsel schnell noch kopiert werden, zuweilen sogar Konstruktionspläne oder Betriebsgeheimnisse. Dabei ist die Faustregel simpel: "Alles, was jemand im Kopf hat, darf er mitnehmen", sagt Kliemt, "alles andere nicht." Wenig zielführend ist es auch, wichtige Daten an eine private E-Mail-Adresse zu schicken. "Die Menschen sind erstaunlich bedenkenlos, Unternehmen kommen ihnen im Nachhinein auf die Schliche", sagt Kliemt. Manche Firmen haben Warnfunktionen auf ihren Servern installiert. Zieht ein Anwalt auffällig große Datenmengen ab, merkt das die IT meist schnell.

Umso wichtiger ist es, abwanderungswillige Teams diskret zu kontaktieren. Wer wirklich alle Rechtsgefahren vermeiden will, sollte im Zweifel nicht über sein Diensthandy mit Interessenten telefonieren, immer außerhalb der Firmenräume kommunizieren und niemals persönliche Mails auf dem Firmenaccount schreiben. Zumal man nie ganz ausschließen kann, dass das Interesse des Abwerbenden nur vorgetäuscht war, um die Konkurrenz auszuspionieren.

Streitigkeiten vermeiden

Besonders dreist gingen zuletzt zwei Geschäftsführer eines Zeitarbeitsunternehmens vor, die sich gemeinsam selbstständig machten. Sie wollten 50 Ingenieure anwerben, die für ihre Exfirma bei einem Industrieunternehmen im Einsatz waren.

In der Mittagspause fingen sie die Ingenieure ab und luden sie in einen Wohnwagen zum Kaffee, den sie gleich gegenüber vom Werkstor postiert hatten. Zudem drückten sie ihnen auch noch vorgefertigte Kündigungsschreiben für ihren Arbeitgeber in die Hand. Jahrelange Streitigkeiten vor Gericht folgten.

Hinzu kommt in solchen Fällen oft: Die Jäger des abwerbenden Unternehmens dürfen keine herabsetzenden Äußerungen über den aktuellen Arbeitgeber tätigen oder gar Lügen verbreiten. Wer sich dabei erwischen lässt, macht sich eines geschäftsschädigenden Verhaltens schuldig – und dann wird mitunter Schadensersatz fällig. Schlimmstenfalls droht eine Strafanzeige wegen übler Nachrede.

Vom Teamwechsel profitiert meist auch das Betriebsklima

Wie und womit aber darf man Teams locken? Mit besseren Arbeitsbedingungen, mehr Gehalt oder Urlaub, klar. Oder mit Prämien, so wie gerade die Lufthansa. Deren Billigtochter Eurowings bietet Flugkapitänen mit einer Trainerlizenz für den Airbus A320 immerhin 20.000 Euro Prämie, wenn sie von einer anderen Linie wechseln. 15 Flugkapitäne haben schon einen Arbeitsvertrag bei der Lufthansa unterschrieben.

So delikat ein Teamwechsel bisweilen ist, er lohnt sich bestenfalls nicht nur finanziell. Jörg Asmas Senior Manager für Sicherheitsmanagement folgt ihm bereits seit 16 Jahren.

Das Duo lernte sich kennen, als es am ersten Arbeitstag bei IBM in Düsseldorf eine halbe Stunde vor der Bürotür ihres Chefs warten musste. Die beiden verstanden sich auf Anhieb gut, teilen bis heute die Liebe zum Grillen und gehen gerne gemeinsam wandern.

Aus der Arbeitsbeziehung ist eine Freundschaft entstanden, und davon profitiert auch ihre Gruppe: "Weil wir die meiste Zeit des Tages miteinander verbringen, muss das Klima stimmen", sagt Asma. "Miesepeter kommen uns nicht ins Team."


Zuerst veröffentlicht auf: wiwo.de
Dieser Artikel ist erschienen am 10.11.2017

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