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Headhunter werben immer öfter ganze Teams ab
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Headhunter

Auf der Jagd nach dem besten Team

Teil 2: In der Bankbranche sind Teamwechsel die Regel

Jörg Schneider, Headhunter aus dem hessischen Bad Soden, ist ein Spezialist fürs Teamhunting. Inzwischen gehe es bei jedem dritten Auftrag darum, einen Kreis von Kollegen abzuwerben, schätzt er. Manchmal melden sich bei ihm auch Teams, die gemeinsam einen neuen Arbeitgeber suchen – und dafür zahlen. Die Flucht nach vorn trat im August beispielsweise das 60-köpfige E-Commerce-Team der inzwischen insolventen Fluglinie Air Berlin an, das sich in einer eigenen Werbekampagne anbot. Franziska von Lewinski, Vorstand der Kommunikationsgruppe FischerAppelt, reagierte so spontan wie öffentlichkeitswirksam und lud die Onlinemarketingexperten zum Mittagessen ein. "Die Aktion kam uns wie gerufen", sagt von Lewinski, "wir hatten ohnehin schon die Eröffnung einer solchen Einheit beschlossen."

Das Ergebnis: Mit Beginn des neuen Jahres sollen immerhin mehr als zehn ehemalige Air-Berliner eine Tochterfirma von FischerAppelt aufbauen.

Kostenlose Qualitätskontrolle: Beim Teamwechsel werden Leistungsträger mitgenommen

Sicher, solche schlagzeilenträchtigen Transfers sind eher die Ausnahme. Wesentlich diskreter geht meistens die Bankbranche vor. Hier sind Teamwechsel die Regel, und zwar aus einem einfachen Grund: Geld ist Vertrauenssache. Kunden mit üppigen Depots folgen daher gerne bekannten Geldmanagern, weil sie wissen, was sie an ihnen haben. Die Lunis Vermögensmanagement in Frankfurt etwa warb im April ein Team der Schweizer Privatbank J. Safra Sarasin ab, inklusive des Generalbevollmächtigten Andreas Brandt. Der kennt sich mit solchen Wechseln aus. Manche seiner Teammitglieder folgten ihm vor mehreren Jahren schon von der Credit Suisse.

Der größte Vorteil eines Teamwechsels ist die kostenlose Qualitätskontrolle: Ein Chef nimmt zu einem neuen Arbeitgeber nur Leistungsträger mit, die er fachlich und menschlich wertschätzt. Und auch umgekehrt gilt: "Gute" Mitarbeiter folgen nur "guten" Chefs. Auf der nächsten Station können sich beide gegenseitig helfen. Wer den Arbeitgeber wechselt, hat im neuen Unternehmen in der Regel keine Vertrauten. Das kann insbesondere bei Partnergesellschaften wie Anwaltskanzleien und Unternehmensberatungen zum Problem werden.

Regeln sollten eingehalten werden

Das weiß auch Berater Andreas Schüren. Vor sieben Jahren verließ er zusammen mit zwei Partnern und rund 30 Mitarbeitern die Beratung Baker Tilly. "Wir waren uns mit den übrigen Partnern über wichtige Fragen wie die strategische Ausrichtung uneins geworden und kamen nicht mehr zusammen", erinnert sich Schüren. Daraufhin wurde er Partner bei der Unternehmensberatung Ebner Stolz in Köln. Für seinen ehemaligen Arbeitgeber hatte das negative Folgen – und zwar messbare: Die Umsätze gingen zurück, weil Kunden Schürens Truppe folgten.

Deshalb sind Teamwechsel ein juristisches Minenfeld. Es ist ein bisschen wie in einer Ehe: Eine Scheidung tut immer weh. Wenn der Partner dann aber obendrein Kinder, Haustiere und Möbel mitnimmt, schmerzt es umso mehr.

Deshalb gilt es, vor allem für abwerbende Unternehmen und als abwanderungswillige Mitarbeiter, Fallen zu vermeiden und Regeln einzuhalten. "Abtrünnige Vorgesetzte dürfen ihre Exkollegen nicht in der Arbeitszeit abwerben", sagt Michael Kliemt, Gründer der größten deutschen Arbeitsrechtskanzlei, Kliemt & Vollstädt, "und auch nicht in den Räumen ihres Arbeitgebers."

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