Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche
Bill Gates, Marc Zuckerberg und Co haben ihr Studium abgebrochen - und sind danach beruflich durchgestartet
Foto: guukaa / Fotolia.com
Erfolgreich ohne Studienabschluss

Auf den Spuren von Gates, Zuckerberg & Co

Wiwo.de | Kerstin Dämon | dpa
Immer mehr junge Leute in Deutschland beginnen ein Studium. Und jeder Dritte bricht es wieder ab. Die Gründe sind vielfältig – doch es liegt hauptsächlich an den Schulen und Unis, die Abbrecherquote zu reduzieren.
Bill Gates hat es getan. Marc Zuckerberg und Anke Engelke auch. Herbert Grönemeyer, Günther Jauch und Brad Pitt ebenfalls. Diese Promis haben ihr Studium abgebrochen – der Erfolg ohne akademische Weihen gab ihnen später Recht.

Doch für den Normalsterblichen ist ein abgebrochenes Studium nicht der erste Schritt auf dem Weg zur Karriere als Entertainer oder milliardenschwerer Unternehmer. Für den Durchschnittsstudenten bedeutet der Abbruch Frust, Enttäuschung – aber auch verlorenes Geld und Zeit.

Und das sind viele. Knapp jeder Dritte (29 Prozent) verlässt die Uni ohne Abschluss. Und jeder Zweite denkt zumindest darüber nach, wie eine Befragung des Personaldienstleisters univativ zeigt, der sich darauf spezialisiert hat, junge Absolventen nach dem Studium in einen Job zu vermitteln. Der Befragung unter mehr als 1000 Studenten zufolge wollen die meisten Jungakademiker abbrechen, weil ihnen der Praxisbezug im Studium fehlt. Dahinter folgen enttäuschte Erwartungen, Überforderung und ganz einfach: zu wenig Geld.

Zu hohe Leistungsanforderungen und fehlende Motivation

Das Bundesbildungsministerium wollte es ganz genau wissen und hat das Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) beauftragt, nachzuhaken: Wie hoch ist die aktuelle Abbrecherquote? In welchen Fächern ist es besonders schlimm? Warum haben die Studenten abgebrochen, und was tun sie stattdessen? Mehr als 6000 Exmatrikulierte von 32 Unis und 28 Fachhochschulen haben geantwortet.

Das Ergebnis des DZWH: Unbewältigte Leistungsanforderungen treiben 30 Prozent zum Abbruch, bei 17 Prozent ist es mangelnde Motivation. Für 15 Prozent ist der Wunsch nach mehr Praxis entscheidend. Finanzielle Engpässe spielen der Untersuchung zufolge eine nachrangige Rolle – diese Begründung wurde nur von elf Prozent angeführt.

Besonders an Fachhochschulen ist die Abbrecherquote gestiegen, weil sich hier inzwischen viele junge Leute für die "abbruchintensiven" technisch-naturwissenschaftlichen Studiengänge einschreiben – und prompt scheitern.

Auffällig ist, dass 61 Prozent der Abbrecher ihre Hochschulzugangsberechtigung, sprich: ihr Abi, nicht auf dem regulären Weg gemacht haben, sondern an Abendgymnasien, Kollegs, Fachgymnasien, Berufs- und Fachoberschulen.

"Wesentliche Einflussfaktoren liegen bereits in der Phase vor dem Studium", sagen auch die DZHW-Wissenschaftler. Die alternativen schulischen Wege ins Studium seien weniger erfolgversprechend.

Bessere Vorbereitung durch Orientierungsphase an der Uni

Horst Hippler, Präsident der Hochschulrektorenkonferenz (HRK). Viel zu oft wüssten Erstsemester nicht, was sie an den Unis erwarte, und sie seien dann frustriert über Misserfolge bis hin zum Studienabbruch, sagte Hippler der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.

"Die notwendige Orientierung könnten große Hochschulen durchaus leisten. Indem die Abiturienten nämlich erst einmal nicht zu einem Studienfach zugelassen werden, sondern zum Studium an der Hochschule generell." Der Studierende solle in dieser Orientierungsphase zwar Leistungsnachweise erbringen, müsste sich aber noch nicht festlegen.

Der oberste Repräsentant der Universitäten und Fachhochschulen in Deutschland verwies auf das "MINT-Kolleg Baden-Württemberg", das von den technischen Universitäten Karlsruhe und Stuttgart veranstaltet wird. Hippler sagte: "Da kann man Kurse belegen, wenn man in den Naturwissenschaften bei den notwendigen Einstiegsqualifikationen noch Lücken sieht. Die Kurse dauern maximal ein Jahr, und man studiert parallel, aber langsamer. Gerade in den Ingenieurwissenschaften, wo Mathematik bisher die große Bremse und oft verantwortlich für Studienabbruch war, hat sich das bewährt." 

Nach dem Abbruch geht es schnell in Ausbildung oder Berufsleben

Immerhin: die Studenten, die das Handtuch werfen, merken ziemlich zu Beginn des Studiums, dass es nichts für sie ist. 47 Prozent verlassen die Hochschule bereits im ersten oder zweiten Fachsemester. Weitere 29 Prozent studieren drei bis vier Semester bis zum "Adieu", 13 Prozent sind länger als sechs Semester dabei, bevor sie hinwerfen.

Außerdem halten sich die vermeintlich gescheiterten Akademiker nicht lang mit dem Wundenlecken auf. Ein halbes Jahr nach dem Abschied von der Uni haben 43 Prozent eine schulische oder betriebliche Berufsausbildung aufgenommen. 31 Prozent sind erwerbstätig. Nur elf Prozent Studienabbrecher sind rat- und arbeitslos.


Zuerst veröffentlicht auf: wiwo.de
Dieser Artikel ist erschienen am 09.06.2017

Themen im Überblick

KOSTENLOSER DOWNLOAD

Fair Company | Initiative