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Gründen

Auf das Team kommt es an

Tanja Könemann
Ohne Mitstreiter scheitert die beste Geschäftsidee. Die Gründer der Softwarefirma Metaio erklären, wie man ein Team aufbaut. Ihr Beispiel macht deutlich, dass man Geschäftspartner auch im Freundeskreis und durch ehemalige Praktikanten gewinnen kann.
Thomas Alt und Daniel Gelder von der Softwarefirma MetaioFoto: © Thomas Linkel Photodesign
Thomas Alt kann Monster erschaffen. Seine Firma Metaio stellt eine Software her, die 3D-Animationen in die reale Welt verfrachtet. Das kann aussehen wie in "Jurassic Park": In dem Film bewegen sich virtuelle Dinosaurier in einer echten Umgebung. Augmented Reality - erweiterte Realität - lautet die korrekte Bezeichnung. Das 2003 in München gegründete Unternehmen wuchs schnell: 50 Mitarbeiter beschäftigen Alt und sein Geschäftspartner Peter Meier inzwischen an drei Standorten. Die Gründer lockten sie mit guten Einstiegschancen und vielen Freiheiten.Am Anfang waren nur sie beide da, erzählt Thomas Alt. Die zwei Ingenieure entdeckten während eines Vortrags, dass sie an exakt derselben Technologie arbeiteten. "Peter kam damals auf mich zu und sagte: ,Wir werden die neuen Bill Gates.'" Dass sie gemeinsam eine Firma gründen würden, schien vorbestimmt.

Die besten Jobs von allen

Sich Mitstreiter suchen - dies sei der erste Schritt auf dem Weg zur Firmengründung, sagt Investor Cornelius Boersch (siehe Interview Seite 3). "Wenn man allein gründet, kostet es zu viel Zeit, sein Produkt zu entwickeln." Schnell sei dann ein Trend vorrüber oder ein Wettbewerber an einem jungen Unternehmen vorbeigezogen. Außerdem: "Mit wem sonst soll man Freud und Leid teilen?" Boersch rät, zunächst im Freundes- und Bekanntenkreis zu fragen. Dort fänden sich meist Gründungswillige, bei denen die Chemie stimmt.Wie bei Alt und Meier, die, neben dem gemeinsamen Interesse für die Technik, auch persönlich zusammenpassen. "Wir hatten von Anfang an ein freundschaftliches Verhältnis zueinander", sagt Alt. Gut so, denn die Verbindung zwischen Unternehmensgründern muss viel aushalten. "Peter und ich halten uns ständig den Spiegel vor, und manchmal fliegen dabei auch die Fetzen. Daran sind wir sehr gewachsen."Managementerfahrung per Training-on-the-jobWachsen mussten auch ihre Managementfähigkeiten. Statt sich einen dritten Mann ins Unternehmen zu holen, der ihnen Arbeit abnimmt und sich um die Finanzen und Businesspläne kümmert, vertrauten sie auf ihre Lernfähigkeit. "Wir haben uns nie formal für die Führung eines Unternehmens qualifiziert", sagt Alt. "Unsere Managementerfahrung kam per Training-on-the-job."In den ersten Monaten mussten auch "Fools, Friends and Family" herhalten, wie Thomas Alt seine Unterstützer der ersten Stunde nennt. In Managementfragen half sein Bruder Markus, der als Unternehmensberater arbeitet. Alts Lebensgefährtin entwarf Aushänge für schwarze Bretter an Universitäten, auf denen sie um Mitarbeiter für Metaio warb.Neue Mitstreiter finden - das ist eine Aufgabe, die Alt und Meier sehr gewissenhaft angehen. Ob Werkstudent oder fest angestellter Mitarbeiter: Sie nehmen sich viel Zeit bei ihrer Auswahl. "Wir wollen herausfinden, ob jemand in unserer Start-up-Atmosphäre arbeiten mag", sagt Alt. Schließlich sei Metaio weniger durchorganisiert als ein Großkonzern, die Mitarbeiter würden häufig einen großen Teil ihrer Aufgaben selbst definieren. So viel Eigenständigkeit sei nicht jedermanns Sache.Mittlerweile wissen Alt und Meier, wie sie einem potenziellen Mitarbeiter auf den Zahn fühlen können. "Wir beschreiben dem Bewerber im Vorstellungsgespräch einen typischen Tag bei Metaio und fragen ihn, wie er ein bestimmtes Problem lösen würde." Außerdem bräuchten sie Mitstreiter, die voll und ganz hinter Metaio stehen. So wie sie.

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