Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche
Karriere-Urteil

Audi: Training an der eigenen Akademie

Daniel Borchardt
Vorsprung durch Ausbildung: Audi fordert und fördert gezielt seine Manager von morgen. Das zahlt sich aus. Der Autohersteller leidet weit weniger unter der Krise als die Konkurrenz - und stellt dieses Jahr 300 Akademiker ein.
Sabine Wüst koordiniert die CockpitentwicklungFoto: © Bernd Telle
Jeder Finger tat Simone Voith nach der Arbeit weh, in beiden Armen hatte sie starken Muskelkater - was sich ganz und gar nicht nach Bürojob anhört, ist für die Trainees der Audi AG Teil der regulären Ausbildung: Sie werden während ihres Umlaufs auch zum Produzieren in der Montage eingesetzt. "Für mich war das eine tolle Erfahrung, da ich vorher noch nie am Band gearbeitet hatte. Arbeitsgänge, die leicht aussehen, bedeuten harten körperlichen Einsatz", erzählt die 26-Jährige. "Mit einer so hilfsbereiten und freundlichen Gruppe zusammenzuarbeiten, hat richtig Spaß gemacht".Voith und ihre Kollegen befestigten die Handschuhfächer im Cockpit des Geländewagens Q5 und kümmerten sich um die Innenraumverkleidung, Kabel und Schläuche. Die Produktion lief im normalen Takt weiter, und die neuen Mitarbeiter bekamen den anstrengenden Job in der Montage hautnah zu spüren. Nach dem gemeinsamen Ausflug in die Werkshallen sahen die jungen Akademiker die Produkte mit ganz anderen Augen: "Es ist schon ein anderes Gefühl, in einem Fahrzeug zu sitzen, von dem ich weiß, wie die einzelnen Teile eingebaut werden", erzählt Simone Voith.

Die besten Jobs von allen

Seit einem halben Jahr ist die Diplom-Betriebswirtin bei dem Autoproduzenten, der weltweit rund 58000 Mitarbeiter beschäftigt, angestellt. Etwa 46000 "Audianer" arbeiten an den deutschen Standorten Ingolstadt und Neckarsulm. 2008 setzte Audi erstmals mehr als eine Million Fahrzeuge ab, in Westeuropa ist die Marke mit den vier Ringen Marktführer unter den Premiumherstellern; in Deutschland liegt Audi knapp hinter Mercedes und BMW. Diesen Platz haben sich die Ingolstädter hart erkämpft: Audi hat in den vergangenen 20 Jahren eine beispiellose Veränderung durchlaufen. Mitte der 80er-Jahre stand der Firmenname für biedere, vernünftige Fahrzeuge mit gehäkeltem Klorollen-Überzieher auf der Hutablage.Audi hat sich stark entwickeltDoch nach und nach wandelte sich das Bild. Unter dem Slogan "Vorsprung durch Technik" brachte das Unternehmen Innovationen wie den permanenten Allradantrieb, Direkteinspritzer-Diesel und leichte Aluminium-Karosserien in die Serienfertigung. Mitte der Neunziger wurde dann auch das Design mutiger und prägnanter. Seither kennen die Unternehmenszahlen nur eine Richtung: steil aufwärts. Über 13 Jahre hinweg folgte beim Umsatz, Absatz und Gewinn ein Rekord auf den anderen.Auf diesen Erfolg baut das Audi-Management auch in der Krise. Der Absatz geht weniger stark zurück als bei den Konkurrenten, Kurzarbeit wurde in den beiden deutschen Standorten nur für ein paar Tage angeordnet. "Wir haben eine Marktkrise, keine Audi-Krise", sagt Personalvorstand Werner Widuckel. Audi rechnet für 2009, dem Jahr des 100. Geburtstags, mit einem Absatzrückgang von rund zehn Prozent und einem dennoch positiven Ergebnis. Im Juni gab es sogar ein kleines Plus gegenüber dem Vorjahresmonat.

Fair Company | Initiative

 

Themen im Überblick