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Zukunft

Atomlobby im Kleinkindmodus

Tobias Schlegl
Der NDR-Moderator und Buchautor Tobias Schlegl macht sich Gedanken über die neue Regierung und fragt sich, wie Deutschlands Zukunft aussieht. Doch was haben Atomkraftwerksbetreiber mit Schokoladenflecken auf dem Ledersofa zu tun?
Tobias Schlegl moderiert im NDR "Extra 3"Foto: © PR
Deutschlands Zukunft hat Sehschwäche. Keine Ahnung wie viel Dioptrien Guido Westerwelle hat, aber er und Angela Merkel werden kurzsichtig sein. So viel steht fest! Sie sind schuld, dass die Brillenschlange und der Pagenkopf gewählt worden sind - Gratulation Deutschland!Kennen Sie das Atomkraftwerk Krümmel? Es liegt vor den Toren der Millionenstadt Hamburg. Liebevoll Krümmel-Monster getauft, sorgt es eigentlich nur für Schlagzeilen, wenn mal wieder eine Schraube fehlt. Oder spielen sich dort schlimmere Zwischenfälle ab, als uns die Atomindustrie glauben machen will? Selbst der neue SPD-Chef Gabriel hat die Sicherheit angezweifelt, obwohl er es jahrelang als Umweltminister geduldet hat.

Die besten Jobs von allen

Die Kraftwerkbetreiber murmeln etwas von Versorgungslücke, die es aber bei der Stilllegung von Krümmel definitiv nicht geben würde. Sie haben nur vor einer Sache Angst: niedrige Gewinne! Mit jedem Jahr Laufzeitverlängerung spülen die Atomkraftwerke laut Landesbank Baden Württemberg den Unternehmen rund zehn Milliarden Euro Gewinn in die Kasse. Bei der Jagd nach Profit scheinen Politiker und auch Stromriesen bewusst zu verkennen, welche Gefahr selbst von einem funktionierenden Kraftwerk ausgeht. Denn eines hat man bei der Planung vor Jahrzehnten nicht bedacht: Die Terrorbereitschaft von einigen Verwirrten.Damit meine ich nicht die Vattenfall-Chefs, sondern seit dem 11. September ist klar, dass es genügend Menschen gibt, die bereit sind, ihre Flugprüfung in Hochhäusern oder aber in Atommeilern enden zu lassen. Die Umgebung von Krümmel, und somit auch 1,8 Millionen Hamburger, müssten dann laut Greenpeace in drei Stunden evakuiert werden. Mit der CDU-FDP-Regierung geht es jedoch munter weiter mit der Atommauschelei.Die Sache mit dem Müll ist auch noch offen. Nach jedem Musikfestival sind Tausende von Bechern und Zigarettenkippen nach drei Stunden vom Areal verschwunden. Doch Atommüll kann man nicht einfach wegblasen. Eon und Vattenfall machen es sich ganz einfach und stellen auf Kleinkindmodus: "Das war ich nicht! Die Schokolade habe ich gegessen, mit den Flecken in der Ledercouch habe ich nichts zu tun!" Seit 40 Jahren wird munter im ehemaligen Salzbergwerk Asse der Müll der Atomindustrie gelagert. "Alles total sicher!", verkündeten die Vertreter der Atomlobby. Nach dem Motto: Was nicht bewiesen werden kann, kann auch nicht passieren.Ein wenig mehr Weitsicht wünsche ich der neuen Bundesregierung! Sonst sehe ich für Deutschlands Zukunft nicht Schwarz-Gelb sondern ganz Schwarz!Lesen Sie mehr zum Thema "Grüne Karriere".Viel Power? Jobs in der EnergiebrancheDavid de Rothschild im InterviewStart up: Das Nullenergiehaus
Dieser Artikel ist erschienen am 01.12.2009

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