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Berufswahl

Arzt werden – wie im Fernsehen

Bettina Malter / Zeit Online
Schüler lassen sich bei ihrer Berufswahl immer stärker von Fernsehserien beeinflussen. Berufsberater müssen mit Fingerspitzengefühl vermitteln.
 Foto: JenaFoto24

Verkannter Joballtag

Ärzte sind so wie Dr. House, Anwälte so wie Danni Lowinski. Fernsehserien spielen bei der Vermittlung von Berufsbildern bei Jugendlichen eine immer stärkere Rolle. Das zeigt eine Studie der Universität Münster. Die erste Idee vom späteren Beruf bekommen junge Menschen demnach vor allem aus dem Fernsehen.
Das wäre nicht problematisch, wenn die Darstellung der Berufe nicht so unrealistisch wäre.

Da wären Arztserien wie Grey’s Anatomy, Scrubs oder auch Doctor’s Diary, die kaum etwas mit dem Joballtag von Medizinern zu tun haben. Und hinter der Mattscheibe sitzen Jugendliche, deren schulische Leistungen häufig eine akademische Laufbahn als Mediziner ausschließen.

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Dann ist Petra Kuberg gefragt. Sie arbeitet als Berufsberaterin bei der Arbeitsagentur und unterstützt Schüler bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz. "Schüler lassen sich sehr stark von Fernsehserien beeinflussen. Wenn ich die Jugendlichen danach frage, warum sie einen Beruf ergreifen wollen, heißt es oft: Das macht der bei GZSZ auch", erzählt die Berufsberaterin.

Kuberg will sogar einen Zusammenhang zwischen dem Erfolg einer Fernsehsendung und dem Interesse von Jugendlichen an einem bestimmten Beruf beobachtet haben. Als Zoo- und Kochsendungen im Fernsehen zunahmen, hätte sie deutlich mehr Schulabgänger in der Beratung gehabt, die Tierpfleger oder Sternekoch werden wollten.

Gastronomie- und Designberufe sind überrepräsentiert

Meist hätten die Jugendlichen jedoch nur ausschnitthafte Vorstellungen von den Berufen, sagt Kuberg. "Ich erlebe immer wieder, dass Schüler glauben, Mitarbeiter einer Werbeagentur tränken meist Kaffee, Polizisten besuchten ständig Konzerte und Bürokauffrauen seien immer schick angezogen, nur weil das die Bilder sind, die das Fernsehen zeigt."

Problematisch ist zudem, dass nur ausgewählte Berufe in den Medien dargestellt werden. Serien, in denen Fleischer, Bäcker oder Maschinenbauingenieure eine zentrale Rolle spielen, sucht man vergebens. Das stellt auch die Studie der Universität Münster fest. Der Untersuchung zufolge sind im Fernsehen vor allem Gastronomie- und Designberufe überrepräsentiert.

"In der Realität arbeitet aber gut jeder vierte Beschäftigte in der Produktion und der Verarbeitung, also in Bereichen wie Metall, Textil und Holz", sagt der Kommunikationswissenschaftler Volker Gehrau, der die Studie leitete. "In Fernsehserien hingegen tauchen solche Tätigkeitsfelder kaum bis gar nicht auf." Allerdings seien auch Familie, Freunde und eigene Interessen ausschlaggebend für die Berufswahl junger Menschen, sagt der Kommunikationswissenschaftler. "Die Serien geben jedoch erste Orientierung bei der Berufsentscheidung."


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