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Sozialforschung

Arbeitslosigkeit kann eine Befreiung sein

Ferdinand Knauß, wiwo.de
Nicht für alle ist das Ende des Jobs eine persönliche Katastrophe, sondern ein Befreiungsschlag mit ungeahnten Möglichkeiten. Der Sozialwissenschaftler Benedikt Rogge hat das Selbstbild von Arbeitslosen untersucht.
Kommunisten und Kapitalisten und das gesamte wirtschaftspolitische Spektrum zwischen diesen Polen eint ein Glaube: Nämlich der, dass das Heil des Menschen in der Arbeit liegt. Die Geschichte dieses Glaubens beginnt mit "ora et labora" im Mittelalter.
 
Und spätestens mit Luther, der Arbeit für "köstlich" hielt, waren diejenigen, die sie für eine Last hielten, ins diskursive Abseits verbannt.


Arbeitslosigkeit gilt infolgedessen als ein individuelles und gesamtgesellschaftliches Unglück, vor dem die Menschen bewahrt werden sollen.

Ausgegrenzte Opfer

Die Sozialforschung sieht Arbeitslose entsprechend einseitig als ausgegrenzte und seelisch kranke Opfer. Und sowohl für Sozialdemokraten alter Schule als auch für liberale Leistung-muss-sich-lohnen-Fetischisten ist die Vorstellung, dass arbeitslos zu werden für manch einen Betroffenen möglicherweise gar nicht so schrecklich sein muss, schlicht unsagbar.

In der Wirklichkeit kommt aber genau das durchaus vor. Angesichts der flächendeckenden Zunahme von Stress und psychischen Belastungen am Arbeitsplatz, wird immer deutlicher, dass auch moderne, vordergründig nicht gesundheitsschädliche Büroarbeit eine Qual sein kann.

Wenn Gehalt unwichtig wird

"Ugly, horrible, uninteresting work" bleibt seit Oscar Wildes Zeiten traurige Realität für viele Menschen. Manch einer erreicht irgendwann einen Arbeitsüberdruss, der den Verlust des festen Gehalts übersteigt und den Verlust des Jobs als Befreiung erleben lässt.

Der Bremer Sozialwissenschaftler Benedikt Rogge hat jetzt in einer erstaunlichen Doktorarbeit ("Wie uns Arbeitslosigkeit unter die Haut geht. Identitätsprozess und psychische Gesundheit bei Statuswechseln") basierend auf knapp 60 Interviews mit überwiegend aus Bremen stammenden Kurz- und Langzeitarbeitslosen das Selbstbild und die Psyche von Arbeitslosen untersucht.


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