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Transsexualität

Arbeitsalltag im falschen Körper

Tilmann Steffen / Zeit.de
Schlechte Witze, Jobangst, Mobbing: Trans-Menschen haben es im Berufsleben nicht einfach. Der Alltag mit Kollegen und Vorgesetzten gerät oft zum gefühlten Spießrutenlauf. Dabei soll das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz solche Nachteile eigentlich verhindern.
Trans-Menschen haben immer noch große Probleme im BerufFoto: © Varina Patel - Fotolia.com
Wenn zum Kollegium am Arbeitsplatz plötzlich eine Person gehört, die sich für ein Leben im anderen Geschlecht entscheiden will, zeigt sich, wie tolerant Kollegen und Vorgesetzte sind. In einer Studie der Antidiskriminierungsstelle des Bundes schildern Trans-Personen Anfeindungen, Drohungen und Belästigung. Sie ertragen Spott, Tratsch, unnötige Kritik, Ausschluss aus Kollegengruppen und müssen oft unangenehme Aufgaben übernehmen. Und wer sich im Unternehmen als Trans-Person outet, wird vom Chef auch schon mal vom Kontakt mit den Kunden abgezogen oder muss gleich um den Job fürchten.Wegen seines Geschlechts oder seiner sexuellen Identität darf niemand Nachteile erleiden. So schreibt es das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz vor. Viele Trans-Personen schafften es bis zum Eintrag ihres gelebten Geschlechtes ins Personenregister. Zuvor müssen sie sich nach derzeitigem Recht sterilisieren und medizinisch-operativ angleichen lassen. Wer das nicht will, dem bleibt nur, im privaten Rahmen zu leben, was er sein möchte. Im Job und der weiteren Öffentlichkeit herrscht dann der Zwang, sich dem Eintrag des Personenstandsregisters anzupassen.

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Deutliche BenachteiligungenDie Hälfte der Trans-Personen hält am Arbeitsplatz ihr gewähltes Geschlecht aus Angst vor Nachteilen und Jobverlust geheim, ergab die Studie der Antidiskriminierungsstelle des Bundes. Die in Europa und den USA zusammengetragenen Forschungsergebnisse zeigen, dass bis zu 54 Prozent der Trans-Personen arbeitslos sind. Bis zu einem Drittel der Befragten gab an, ihren Job wegen des Trans-Seins verloren zu haben. Trans-Menschen verdienen deutlich weniger als Kollegen in vergleichbaren Positionen und machen seltener Karriere.Um ihr Geschlecht anzugleichen, geben zudem viele den Arbeitsplatz auf und suchen erst wieder eine Anstellung, wenn ihre Papiere geändert sind. Oft bleibt nur die Selbstständigkeit, um der Diskriminierung am Arbeitsplatz zu entgehen. Zu den Schikanen, von denen Betroffene berichten, zählt sogar das Verbot, die Toilette des gewählten Geschlechts zu besuchen. Die Forscher hatten unter anderem in Deutschland, Österreich, Belgien, den USA und Großbritannien mehrere Tausend Trans-Personen befragt.Unter den Grünen lösten die Befunde Betroffenheit aus: "Die Studie offenbart, wie weit verbreitet die Diskriminierung gegenüber Transsexuellen und Transgendern ist", sagte Fraktionsgeschäftsführer Volker Beck. "Das Sortieren in Schubladen ist tief in unserer Gesellschaft verwurzelt." Der Mensch müsse im Mittelpunkt stehen, und nicht die mit Geschlechterrollen verbundenen Vorurteile.

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