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Ausland

Arbeiten in Ruanda

Sebastian Winter
Ruanda gehört nicht nur zu den kleinsten, sondern auch zu den ärmsten Ländern Afrikas. Besonders der ethnische Konflikt zwischen Hutu und Tutsi hat das Land weit zurückgeworfen. Trotzdem lohnt es sich, in diesem Land zu arbeiten. Das berichten zwei deutsche Frauen.
Natalie Vanneste baut den Behinderten-Sportverband in Ruanda aufFoto: © PR
Natalie VannesteBei ihrer Ankunft im Mai 2001 erlebte Natalie Vanneste eine Überraschung: Am Flughafen musste sie ihre Plastiktüten abgeben. Auf Umweltschutz wird in dem dicht besiedelten zentralafrikanischen Land, das nur wenig größer ist als Mecklenburg-Vorpommern, sehr geachtet. Einmal im Monat putzen die Einwohner Kigali. "Sie heben Wassergräben aus, füllen Schlaglöcher, pflanzen Bäume", sagt Vanneste.

Die besten Jobs von allen

Die 34-jährige Entwicklungshelferin betreut deutsche Freiwillige, die an Grundschulen Englisch unterrichten oder mit Behinderten arbeiten. 2005 hat Vanneste den ruandischen Behinderten-Sportverband aufgebaut, in dem auch viele Überlebende des Genozids von 1994 trainieren. Fast jede Familie hat bei dem Völkermord, der 800000 Menschen das Leben kostete, jemanden verloren. Vanneste ist es wichtig, den Freiwilligen die Gedenkstätte in Kigali zu zeigen. "Sie sind sehr betroffen, weil ihnen dort bewusst wird, wie wenig Zeit vergangen ist." Ruander gelten als freundlich, aber sehr zurückhaltend. Es dauerte lange, bis Vanneste Freunde fand. "Man integriert sich und bleibt doch ein Fremder. Hier bin ich nur Umuzungu, die Weiße."Eva PaulNicht selten fällt in Kigali der Strom aus, auf dem Land gibt es oft gar keinen. Eva Paul kämpft dagegen an. Seit 2007 berät die 27-jährige Ethnologin in Ruandas Hauptstadt den Energieminister. Bis 2012 sollen 16 Prozent der Ruander regelmäßig Strom bekommen. Außerdem koordiniert Paul den Bau eines Methan-Kraftwerks am Kiwusee. "Hier wird sehr schnell sehr viel bewegt", sagt Paul. Überall stehen Baukräne, im Zentrum wachsen verspiegelte Bürotürme empor, an allen Ecken eröffnen Cafés. "Der Kaffee ist stark und würzig, er hat ein wunderbares Aroma", beschreibt Paul das wichtige Exportgut.Paul vermisst zwar kulturelle Veranstaltungen, doch dafür ist die 1500 Meter hoch gelegene Metropole im Herzen Afrikas, in der rund eine Million Einwohner leben, von grünen Hügeln übersät. Im Garten von Pauls Mietshaus gedeihen Guavenbäume und Bananenstauden.Die Berggorillas im Virunga-Nationalpark hat Paul besucht. Nun will sie sich ihren nächsten Traum erfüllen: "Ich möchte auf den 3470 Meter hohen Nyiragongo im Kongo steigen." Doch zurzeit ist der Vulkan nahe der ruandischen Grenze unpassierbar. Kongolesische Milizen haben die Hänge des Nyiragongo zu ihrem Revier erklärt.
Dieser Artikel ist erschienen am 18.12.2009

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