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Ortswechsel

Arbeiten in Lothringen

Jeanette Villachica
Mittelalterliche Viertel, Kultur und schöne Landschaften. Die Stadt Metz in Lothringen beitet ein entspanntes Flair und punktet mit seiner guten Verkehrsanbindung. Eine Pädagogin und ein Forschungsingenieur erzählen von ihrem Alltag in Frankreich.
Der Temple Neuf auf der Mosel-Insel in MetzFoto: © Gisela Speicher - Fotolia.com
Als Birgit Sichelstiel 2004 zum ersten Mal in Metz aus dem Zug stieg, war sie überrascht. "Schon der Bahnhof ist wunderschön", findet die Niederbayerin. "In Metz sind mittelalterliche und neuere Viertel komplett erhalten, in der Stadt passiert auch kulturell viel." Lothringens Hauptstadt ist ans Netz des Hochgeschwindigkeitszugs TGV angeschlossen, entlang der Flüsse Mosel und Seille sind Grünflächen entstanden, im Mai eröffnet das Centre Pompidou Metz.Die 125000-Einwohner-Stadt ist durch die lange Zugehörigkeit zu Deutschland geprägt. Birgit Sichelstiel arbeitet für die deutsch-französische Zusammenarbeit, die in der Grenzregion verstärkt gefördert wird. Zunächst machte die Pädagogin in Schulklassen Werbung für die deutsche Sprache, nun arbeitet sie als Projektbeauftragte für den Austausch saarländischer und lothringischer Erzieherinnen.

Die besten Jobs von allen

Die 31-Jährige lebt in einer zentralen Zwei-Zimmer-Wohnung für 500 Euro warm. Kontakt zu Franzosen hat sie sofort gefunden. Künftig will sie die Umgebung erkunden: hügelige Landschaft, römische Ausgrabungen, malerische Dörfer und den Radweg nach Koblenz."Deutsche Sprache auf Frankreichs StraßenAls er noch in Paris lebte, brauchte Jonas Staudte rund 45 Minuten bis ins Zentrum. Heute wohnt er in Metz und ist in 45 Minuten in Luxemburg, Saarbrücken oder Nancy. "Alles ist vor Ort, ohne dass man sich durch volle Vorortzüge quälen muss", sagt der 37-Jährige.Staudte hat in Aachen und Manchester Metallurgie und Werkstofftechnik studiert und promoviert. Der Forschungsingenieur lebte mit seiner Familie bei Paris, als sein Arbeitgeber, ein Stahlhersteller, fusionierte. Staudte musste sich zwischen verschiedenen Forschungszentren entscheiden und wählte Metz. "Mit Kindern ist es entspannter als im hektischen Paris."Am Wochenende trifft die Familie Freunde: Franzosen, Kolumbianer, Italiener - mit allen sprechen sie Französisch, das auch Arbeitssprache in Staudtes Team aus acht Nationalitäten ist. Der private Kontakt zu den Kollegen ließ ein halbes Jahr auf sich warten. "Sie waren nett, aber man ging nicht mal ein Bier trinken." Trotz seines anfangs "kläglichen" Französisch seien alle freundlich gewesen. "Auf der Straße werden wir manchmal von älteren Damen in makellosem Deutsch angesprochen", erzählt er. "Trotz Lothringens wechselvoller Geschichte wurden wir herzlich aufgenommen. "Lesen Sie weitere Artikel zu diesem Thema:Entwicklungshilfe: Arbeiten in RuandaOrtswechsel: "Genf ist eine kleine Weltmetropole"
Dieser Artikel ist erschienen am 29.01.2010

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