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Burn-out
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Burn-out

Arbeiten bis zum Anschlag

Claudia Obmann
In Führungskreisen herrscht erhöhte Burn-out-Gefahr. Doch emotionale Erschöpfung ist unter Managern noch immer ein Tabuthema. Nur die wenigsten gestehen sie sich und anderen ein – auch wenn die Warnsignale klar erkennbar sind.
Gerade zurück von einer Visite in den Vereinigten Staaten, wartete auf Harald Krüger in Frankfurt der große Auftritt als neuer BMW-Chef: Kameras aus aller Welt waren auf der Internationalen Automobilausstellung auf ihn gerichtet, um festzuhalten, welche Neuheiten der Konzernlenker präsentieren würde. Stattdessen filmten sie, wie der 49-Jährige zu Boden ging und von Helfern von der Bühne geführt werden musste.

Nur wenige Tage später alarmierte Janet Yellen, Chefin der US-Notenbank, bei einem Vortrag an der Amhurst-Universität in Massachusetts die Ärzte: Sie hielt minutenlang inne, wirkte, als habe sie den Faden verloren, hustete und brach schließlich ihre Rede ab.

"Schwächeanfall, kein Grund zur Besorgnis", hieß es zwar anschließend in beiden Fällen. Doch die Vorfälle lenken die Aufmerksamkeit auf die körperlichen und seelischen Belastungen, denen Führungskräfte ausgesetzt sind.

Erhöhtes Risiko für psychische Erkrankungen

Chef sein kann krank machen. Führungskräfte haben ein erhöhtes Risiko, psychisch zu erkranken. Das belegt jetzt eine Studie der SRH Hochschule Heidelberg. Bundesweit wurden dafür 282 Führungskräfte verschiedener Branchen und Hierarchieebenen befragt. Ergebnis: "Schwerwiegende Gesundheitsfolgen, vor allem depressive Symptome und emotionale Erschöpfung kamen überdurchschnittlich häufig vor", sagt Andreas Zimber, Professor der Fakultät für Angewandte Psychologie der SRH Hochschule Heidelberg.

Denn viele Spitzenkräfte sind Getriebene. Ein übervoller Terminkalender, komplexe Themen, dazu der Druck, schnell gravierende Entscheidungen treffen zu müssen, gehören für sie zum Alltag wie der Senatoren-Status als Vielflieger. Nicht jeder verkraftet das.

Das bestätigt eine Analyse der Max Grundig Klinik im Schwarzwald, die sich auf Klienten aus Wirtschaft und Politik spezialisiert hat. Befragt nach Referenzkunden, schweigt Chefarzt Peter Maurer eisern. Aber eine anonyme Befragung von rund 1 000 seiner Patienten hat ergeben, dass zwar 70 Prozent der Führungskräfte ihren eigenen Gesundheitszustand als "sehr gut" oder "gut" bewerten. Gleichzeitig jedoch geben 61 Prozent an, stark unter Druck zu stehen und weder ausreichend noch gut schlafen zu können.

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