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Web 2.0

Arbeiten beim Startup: Wer hat die besten Chancen?

Sebastian Ertinger
Die Umsätze und Gewinne wachsen, die Branche fahndet nach Personal. Wer frische Ideen hat, kann bei Web-Gigant Google, Startups wie Spreadshirt und Xing oder der Community StudiVZ einsteigen. Junge Karriere zeigt, welche Absolventen und Quereinsteiger eine Chance haben, was sie können müssen und wie viel sich in der neuen New Economy verdienen lässt.
Aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken: StudiVZ und XingFoto: © dotshock - Fotolia.com
In der Backfabrik herrscht Backofenhitze. Hier, in der alten Fabrikhalle im Prenzlauer Berg, schlägt das Herz des Studentennetzwerks StudiVZ. Mehr als 140 Beschäftigte - Durchschnittsalter 25 Jahre - steuern von hier aus Deutschlands reichweitenstärkste Webseite. Die Großraumbüros sind randvoll, denn seit kurzem werden von hier aus auch die Neugründung SchülerVZ und die internationalen Ableger in Polen, Frankreich, Italien und Spanien betreut. Mittendrin, in einer kleinen Ecke versteckt, sitzt Sascha Kubak. Der 25-Jährige ist Key Account Manager bei StudiVZ und längst ein alter Hase. Kurz nach dem Start der Community vor zwei Jahren ist Kubak dazugekommen, nebenbei studiert er BWL an der FernUni Hagen. "Das Tempo hier ist schon enorm", sagt er. Aber: "Das macht den Reiz aus."Nach der turbulenten Aufbauphase will StudiVZ weiter dynamisch wachsen. Der neue Geschäftsführer, Marcus Riecke, der von Ebay gekommen ist, plant, die Ableger voranzubringen. Sein Ziel: endlich Geld verdienen. "Nach sechs Jahren Ebay juckte es mich noch einmal, ein Startup aufzubauen", sagt Riecke. Dafür braucht er nun Personal. Die Berliner suchen Verstärkung für das Marketing, den Vertrieb, das Produktmanagement und natürlich die IT. Auch eine Studenten-Community kommt nicht nur mit Studenten aus.

Die besten Jobs von allen

StudiVZ, Google, United Internet: Die Branche boomt und sucht Tausende Mitarbeiter. Nach aktuellen Berechnungen des Branchenverbandes Bitkom gibt es 25.000 bis 28.000 offene Stellen. Längst hat sich das Internet zum Jobmotor entwickelt. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit sind bereits mehr als 800.000 Menschen im Internet- und IT-Sektor beschäftigt. Das sind mehr als in der Automobilbranche.Eine der Wunderwaffen ist das Triple-PlayNeue Technologien und Dienstleistungen beschleunigen diese Entwicklung. Eine der Wunderwaffen ist dabei das so genannte Triple-Play - bei dem zum Telefonieren und Surfen noch das komfortable Fernsehen über das Internet (IP-TV) kommt. Es herrscht Aufbruchstimmung. Gute Karten haben insbesondere Programmierer und Designer, aber auch Wirtschaftswissenschaftler und Informatiker, selbst ohne langjährige Berufserfahrung. Und nicht nur die. Auch Germanisten, Psychologen oder Soziologen werden eingestellt. Voraussetzung: Kommunikationsfähigkeit und ein gutes Gespür für die Trends im Netz. "Die Affinität zu den Kunden und die Art der Kommunikation mit ihnen hat schon immer gute von schlechten Unternehmen unterschieden", sagt Sven Gábor Jánszky, Chef des Think Tanks forward2business.Motor dieser Entwicklung ist das Mitmach-Internet, Schlagwort Web 2.0: Die Nutzer tragen wesentlich zu den Inhalten bei, das Online-Lexikon Wikipedia, die Video-Plattform Youtube und die Communities StudiVZ, Xing oder Myspace sind nur die bekanntesten Beispiele. Mit der User-Beteiligung erwacht die Web-Wirtschaft zu neuem Leben. "Für Agenturen und Unternehmen sind die Chancen und Möglichkeiten des Web 2.0 phänomenal", sagt Benjamin Falch, Kreativdirektor bei der Multimedia-Agentur A&B face2net. "Es geht heute darum, die Kommunikation zwischen den Usern zu managen und entsprechende Strukturen zu entwerfen."Neben Internet-Pionieren wie Google, Yahoo oder Ebay erobern viele kleine Unternehmen mit guten Ideen den Markt. Darunter sind auch deutsche Startups wie die Bilder- und Video-Plattform Sevenload, die Tauschbörse Hitflip oder der T-Shirt-Shop Spread-shirt. Trotz der guten Chancen wollte Martin Hummelt, 24, eigentlich nicht zu einer Webbude. "Ich hatte Sorge, dass der Kontakt zu Menschen fehlt", sagt Hummelt. Ein Artikel über Lukasz Gadowski machte ihn trotzdem neugierig. Gadowksi gilt als Vorzeigeunternehmer der Web-2.0-Ära in Deutschland und gründete 2002 Spreadshirt.net, den führenden T-Shirt-Shop in Europa mit weltweit mehr als 300 Mitarbeitern. Nach zwei Gesprächen bei Spreadshirt war Hummelt von der Firma so begeistert, dass er dort unbedingt arbeiten wollte. Nach seinem Management-Studium an der Uni Magdeburg bekam er eine Trainee-Stelle. Es ist eine von derzeit rund 60 offenen Stellen. Gesucht werden weiterhin Mitarbeiter für das Management, die Bereiche Finance und Controlling, den Service oder die IT.Auch Google sucht dringend Verstärkung, 70 Leute insgesamt. In den vergangenen zwei Jahren hat das Unternehmen die Zahl seiner Mitarbeiter in Deutschland verdoppelt. "Wir suchen Mitarbeiter mit mindestens zwei Jahren Berufserfahrung", sagt Google-Personalerin Pia Baumeister. Berufseinsteiger haben trotzdem gute Chancen, in der Europa-Zentrale im irischen Dublin. Dort will Google deutschsprachige Mitarbeiter einstellen. Vor allem im Bereich Sales, um von Irland aus Kunden in Deutschland zu betreuen. Google zählt bei Europas Studenten zu den Top-Arbeitgebern - das ergab eine Umfrage des Beratungsunternehmens Universum Communications unter Studenten der Ingenieur- und Naturwissenschaften sowie der Informatik.

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