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Online-Riese

Arbeiten bei Google: Nicht jeder Job ist ein Traumjob

Lars Reppesgaard
Software-Engineer, Account Manager, European Policy Manager: Google gehört zu den beliebtesten Arbeitgebern - und sucht händeringend Leute. Doch nicht jeder Arbeitsplatz beim Online-Riesen ist ein Traumjob.
Google: Arbeiten im goldenen KäfigFoto: © Thies Schwarz
Die kalifornische Mittagssonne strahlt. Unter den roten, gelben, grünen und blauen Sonnenschirmen machen sich die Menschen über Sushi-Rollen, indische Spinatgerichte, mexikanische Burritos und Granatapfel-Blaubeer-Smoothies her. Auf dem nahen Volleyballfeld schmettern sich Jungs in Shorts die Bälle um die Ohren. Ein wenig erinnert die Atmosphäre im Innenhof des Googleplex, der Firmenzentrale von Google Inc. in Mountain View, Kalifornien, an einen Ferienort. Nur dass dort weniger Menschen ein Laptop mit sich herumtragen oder mit Fahrrädern oder Elektrorollern von einem Gebäude zum anderen düsen. Und dass dort nicht jeder Zweite ein Google-T-Shirt trägt. So intensiv wie die Googler - so nennen sich die Menschen, die bei Google arbeiten - identifiziert sich kaum jemand mit seinem Job.Google ist nicht nur der weltweit erfolgreichste Anbieter einer Internetsuchmaschine und Eigner des Videoportals Youtube, sondern auch einer der wichtigsten Akteure in der Online-Werbung. Hier im Silicon Valley haben die Firmengründer Larry Page und Sergey Brin Google als Universitätsprojekt gestartet. Heute ist Google das erfolgreichste Unternehmen der digitalen Wirtschaft. Durch das Platzieren von Online-Anzeigen verdiente der Konzern 2007 stolze 4,2 Milliarden Dollar bei 20 Milliarden Dollar Umsatz. Für 2008 sind die Aussichten ähnlich rosig. Im September dieses Jahres feierte Google erst seinen zehnten Geburtstag. Google ist erfolgreich, weil hier gute Ideen am laufenden Band produziert werden. Die Mitarbeiter tüfteln gerne, reden sich in Fachdiskussionen die Köpfe heiß und haben ständig Lust, etwas Neues auszuprobieren.

Die besten Jobs von allen

Teams können selbstständig entscheiden, ohne dass ein Manager reinredet"Hat jemand eine neue Idee, ist die übliche Reaktion darauf enthusiastisches Interesse und ein gemeinsames Brainstorming. Firmenpolitik oder die Frage, wer für welchen Bereich eigentlich zuständig ist, spielen hier kaum eine Rolle", berichtet Joe Beda. Der Software-Entwickler arbeitet für Google in Seattle und hat unter anderem Google Talk mitentwickelt, ein Computer-Telefonie- und Internet-Chat-Programm. Um seine Ideenlieferanten bei Laune zu halten, hat Google ein einzigartiges Arbeitsumfeld geschaffen. Mehrere Mitarbeiter teilen sich gemeinsame Büros. Selbst eine Topmanagerin wie Marissa Mayer, die wie gut 1000 langjährige Firmenveteranen durch ihre Google-Aktien zur Millionärin geworden ist, sitzt im Googleplex noch immer in einem winzigen Büro zusammen mit drei Kolleginnen. Um an spannenden Projekten und GoogleAtmosphäre zu schnuppern, muss man aber nicht mehr unbedingt nach Kalifornien ziehen. Software entwickelt Google unter anderem in München, vor allem aber im neuen Europa-Forschungszentrum in Zürich, das im März 2008 eröffnet wurde. "Die Aufteilung der Entwicklung durch Google bedeutet, dass die Ingenieure bei uns an Kernprojekten mit globalem Stellenwert arbeiten können", sagt Googles Europa-Verantwortlicher im Bereich Entwicklung, Nelson Mattos.In Zürich arbeiten 350 Googler aus 40 Nationen. Das Forschungszentrum liegt im Hürlimann-Areal, dem Gelände einer ehemaligen Brauerei in der Nähe der Züricher Innenstadt. Das Gebäude ist 12000 Quadratmeter groß und für die Zukunft geplant: Es bietet Platz für bis zu 800 Mitarbeiter. Die Hierarchien sind flach, die Teams können vieles selbst entscheiden, ohne dass jemand aus dem mittleren Management reinreden darf. Anzüge tragen höchstens die Geschäftsleute, die Google besuchen. Krawatten sucht man vergeblich. ,Sei seriös auch ohne Anzug' lautet das inoffizielle Motto von Google. Entsprechend unkonventionell sieht es in den Räumen aus, in denen die Googler arbeiten. In den Arbeitszimmern im Googleplex, in der neuen Europa-Forschungszentrale in Zürich und im Hauptquartier von Google Deutschland in Hamburg stapelt sich Spielzeug, überall stößt man auf Plastikpalmen, Lavalampen, Raumschiffmodelle aus Legosteinen und Aquarien. Man hört isländischen Elektropop oder coole Alternativrockbands.Guitar-Hero und Massagesessel zur EntspannungIn Zürich werden Meetings in einem eleganten Salon abgehalten, der an ein englisches Kaminzimmer mit altehrwürdiger Bibliothek erinnert. Wer sich zum Telefongespräch, für eine Videokonferenz oder für ein Zweiertreffen zurückziehen will, findet dafür in einer ausrangierten Seilbahnkabine Platz. Wer es eilig hat, kann über eine Rutsche aus der ersten Etage in die Kantine sausen oder wie ein Feuerwehrmann bei Alarm an einer Stange von einem Stockwerk ins nächste hinabrutschen. Die Zweigstellen in Hamburg und München sind nicht ganz so spektakulär eingerichtet. Doch auch hier spielen die Googler in ihren Pausen entspannt Billard, Tischfußball oder Telespiele wie Guitar-Hero. Die Wände der Großraumbüros sind bunt bemalt, die Stellwände über und über mit Luftballons geschmückt. An allen Standorten trifft man unverhofft auf Telespielautomaten oder Flipper, die auf den verwinkelten Fluren stehen. Wer sich verspannt fühlt, lässt sich in vielen Zweigstellen von Massagesesseln oder Masseuren durchkneten. In allen Google-Niederlassungen gibt es gute Cafés und Kantinen, in denen sich die Googler kostenlos bedienen.

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