Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche
Zukunftsprognosen

Apple oder Google - wem gehört die Zukunft

Amir Kassaei, Rüdiger Kiani-Kreß / wiwo.de
Amir Kassaei, der Kreativchef der Werbeagentur DDB Group,schreibt über die Zukunft der digitalen Welt. Er wagt eine Prognose, welcher Anbieter von Hardware, Software und digitalen Dienstleistungen in Zukunft die Nase vorn haben wird.
Wird Google oder Apple der Anbieter der nächsten Generation?Foto: © Gina Sanders - Fotolia.com

"Why join the Navy if you can be a pirate?" Apple-Gründer und -CEO Steve JobsDas Faszinierende an der technologischen Zukunft ist, dass sie anders aussehen wird, als man heute glaubt. Und wer trotzdem versucht, sie vorauszusagen, wird als Scharlatan gebrandmarkt.

Die besten Jobs von allen

Für eine Antwort auf die Frage, wer 2020 die digitale Welt dominiert, muss man zurückgehen zum 9. Januar 2001. An diesem Tag hat Apple-Chef Steve Jobs eine Präsentation gehalten. Dabei wurden weder ein neues Produkt noch Zahlen verkündet. Vielleicht ist deshalb der Aufmerksamkeit der Fachöffentlichkeit entgangen, dass Jobs die Grundzüge seiner „Digital Hub Strategy" vorstellte. Darin ist der Mac-Computer die Nabe, der „Hub", um die herum sich alle möglichen Dienste und Geräte wie Speichen drehen: MP3-Player, Musik-Software oder Handys.Strategie führt zu DominanzDiese Strategie war die Voraussetzung für Apples Erfolg. Denn viele dieser Speichen kommen heute von Apple selbst, etwa der MP3-Player iPod, der Web-Musik-Shop iTunes oder das Handy iPhone. Und mit dieser Strategie und ihren Konsequenzen wird Apple nicht nur in zehn Jahren, sondern wahrscheinlich weit darüber hinaus eine Vormachtstellung in der digitalen Welt aufbauen und seine Dominanz manifestieren. Die wichtigsten Punkte:Digitale Infrastruktur - Apple hat früh verstanden, dass Menschen Innovationen brauchen, um in einer komplett vernetzten Welt besser und effizienter zu sein. Dazu brauchen sie nicht einzelne Werkzeuge, sondern ein ganzheitliches, auf Qualität und Einfachheit konzipiertes System.iWorld - Apple hat ein Netzwerk aufgebaut aus Hardware, Software, Design, Retail und Marketing. Nur dadurch kann Apple ein überlegenes Erlebnis anbieten, das eine Premium-Position garantiert. Dabei ist Apples Ziel nicht Marktanteil oder Umsatz, sondern einzig und allein Rendite.Nicht suchen sondern erlebenErlebnis-Findemaschine - Apple wird den Wettlauf um die digitale Weltherrschaft auch deswegen gewinnen, weil Jobs’ Businessmodell nicht auf Werbeerlösen basiert. Apple versteht viel besser als Google, dass es den Menschen in einer digital vernetzten Welt nicht um relevante Suchergebnisse geht, sondern um das Finden und Erleben von für sie relevanten Erlebnissen. Googles Geschäftsmodell ist kein langfristig haltbares, weil es zu 99,9 Prozent von Werbung abhängt. Das Innovationspotenzial wird genutzt, um durch Verbreitung von eigenen kostenlosen Plattformen genug relevante Daten zu sammeln – und darauf basierend Werbeeinnahmen zu generieren. Dies ist endlich.Denkt man die Digital Hub Strategy zu Ende, wird Apple sein System um drei elementare, noch fehlende Bestandteile ergänzen: erstens ein soziales Netzwerk, das weit über Musik hinausgehen und das gesamte Spektrum des digitalen Lebensstils abdecken wird. Das in die jüngste Version von iTunes integrierte Netzwerk Ping ist nur der erste Schritt. Das Zweite ist die Erweiterung des Systems Richtung Cloud Computing – also die Verlagerung von Services und Datenspeicherung in die Internet-Wolke. Und drittens die Unabhängigkeit von der Infrastruktur der Telekommunikationsanbieter – indem Apple künftig auf eigene Netze setzt.Amir Kassaei, Kreativchef der Werbeagentur DDB Group, gilt als derzeit kreativster Werber der Welt(Artikel zuerst erschienen auf WirtschaftsWoche Online wiwo.de)
Dieser Artikel ist erschienen am 06.10.2010

Fair Company | Initiative

 

Themen im Überblick