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Pharmabranche

Apotheken suchen qualifizierten Nachwuchs

Kirstin von Elm
Pharmazeuten zählen nicht zu den Sorgenkindern des Arbeitsamtes. Hersteller von Arzneimitteln und Apotheken suchen Nachwuchs. Wer eine Karriere in der Industrie oder als Selbstständiger anstrebt, sollte die Weichen allerdings schon frühzeitig im Studium stellen.
Die Pharmabranche boomtFoto: © Gennady Shingarev - Fotolia.com
Hustensaft und Rheumatabletten verkaufen oder lieber selbst Pillen produzieren? Für Harald Schuhbaum ist die Sache klar. "Mir liegen technische und analytische Aufgaben", sagt der promovierte Pharmazeut. "Im praktischen Jahr ist mir endgültig klar geworden, dass ich als Apotheker nicht glücklich werde." Jetzt leitet der 37-Jährige die Qualitätskontrolle der Bionorica AG im bayerischen Neumarkt - und ist angekommen. Beim deutschen Marktführer für pflanzliche Arzneien wacht er darüber, dass der Hersteller bei der Produktion der Pillen und Säfte die umfangreichen Vorschriften einhält. Ein Job, bei dem er sich keinen Fehler erlauben darf. Als so genannte "sachkundige Person" gemäß Paragraf 15 des Arzneimittelgesetzes ist Schuhbaum für die Freigabe jeder produzierten Charge verantwortlich. Er führt rund 30 Mitarbeiter und muss regelmäßig Abläufe in seiner Abteilung der Produktionssteigerung anpassen: "Wir wachsen jährlich im zweistelligen Bereich, da muss man organisatorisch mitkommen."Der Laden brummt, nicht nur bei Bionorica. Die gut 1000 pharmazeutischen Unternehmen in Deutschland haben im vergangenen Jahr Erzeugnisse im Wert von 23,7 Milliarden Euro produziert, ein Plus von 4,4 Prozent gegenüber 2005. Seit der Jahrtausendwende hat der Wert der deutschen Pharmaproduktion um fast 30 Prozent zugenommen. Zu den größten Arbeitgebern der Branche zählen Sanofi-Aventis, Roche, Merck sowie Bayer-Schering Pharma. Bundesweit schaffen derzeit 55450 Pharmazeuten emsig. Zu den Sorgenkindern der Arbeitsagenturen zählt diese Akademikerspezies nicht. Die Zahl der arbeitslos gemeldeten Apotheker zum Beispiel hat sich in den vergangenen drei Jahren auf gerade mal 547 halbiert.

Die besten Jobs von allen

Auch die Apotheken suchen FachkräfteNicht nur die Industrie sucht Fachkräfte, sondern auch die Apotheken - nach wie vor mit Abstand der größte Arbeitsmarkt für Pharmazeuten. Der Grund: "Aktuelle Zahlen der Apothekerkammern zeigen, dass rund ein Fünftel aller Apothekeninhaber älter als 60 oder sogar 70 Jahre sind", sagt Unternehmensberater Heinz Wiedemann. Viele Apotheker im Rentenalter suchen in den nächsten Jahren einen Nachfolger. Außerdem dürfen sie seit 2004 erstmals Filialen eröffnen und brauchen dafür junge, engagierte Filialleiter. Gut 1500 Inhaber haben vom neuen Filialrecht bereits Gebrauch gemacht, die Zahl der Apotheken in der Republik ist dadurch leicht gestiegen.Trotz der steigenden Nachfrage ist die berufliche Zukunft für die rund 12000 im Wintersemester 2006/2007 eingeschriebenen Pharmazie-Studenten nicht frei von Risiken und Nebenwirkungen. "Einsteiger ohne Berufserfahrung haben es heute in allen Disziplinen schwer", sagt Martin Lang, Experte für Pharma-Jobs bei der Personalvermittlung Kelly Scientific in Köln. Wer das finanzielle Abenteuer Selbstständigkeit scheut und stattdessen lieber einen gut dotierten Job in der Pharma-Industrie will, müsse sein Studium rechtzeitig industriekompatibel ausrichten. Das heißt: möglichst frühzeitig Branchenerfahrung sammeln, nicht erst im praktischen Jahr loslegen, sondern schon in den Semesterferien.Dass sich immer mehr Absolventen für eine Promotion entscheiden - in den vergangenen sechs Jahren stieg der Anteil der Doktoren von gut zehn auf mehr als 15 Prozent -, sieht Lang auch kritisch. "Für den klassischen Einstieg als Laborant in der Forschung und Entwicklung ist eine Promotion zwar von Vorteil, allerdings nur, wenn das Thema stimmt." Wertvoll seien zum Beispiel Erfahrungen mit internationalen Standards der Arzneimittelproduktion wie GMP (Good Manufacturer's Practice) und GLP (Good Laboratory Practice) oder ausgewiesene Expertise in chemischen und physikalischen Analyseverfahren. Harald Schuhbaum hat in seiner Promotion zum Beispiel einen Ingwerextrakt per HPLC (High Performance Liquid Chromatography) "auseinandergefriemelt" - eines der wichtigsten Verfahren in der Pharmaindustrie, um Flüssigkeiten zu untersuchen und einzelne Wirkstoffe zu isolieren. Und hat sich damit späteren Arbeitgebern empfohlen.Gefragt ist zusätzlich Tempo im Rennen um einen der begehrten Jobs. Bei jedem Ausbildungs- und Karriereschritt müsse man sich genau überlegen, ob er in die richtige Richtung führt, mahnt Personalvermittler Martin Lang. Das gilt für die Promotion, erst recht aber für den Einsatz als Post-Doktorand, kurz Post-Doc. Wissenschaftler, die nach Beendigung ihrer Dissertation an einer Uni oder einer Forschungsstelle befristet angestellt sind, sollten spätestens diese Station nutzen, um internationale Berufserfahrung zu sammeln."Wir sehen es gerne, wenn ein Bewerber eine eigenständige wissenschaftliche Arbeit durchgezogen hat, am besten im Ausland", sagt Professor Günther Benz, bei der Bayer AG in Leverkusen zuständig für Hochschulkontakte. Unter dieser Prämisse sind Post-Docs in seinen Forschungslaboren sehr willkommen. Eine Garantie zur Festanstellung ist der Post-Doc trotzdem nicht. "Externe Bewerber sind für uns viel interessanter, weil sie neues Wissen mitbringen", sagt Benz. Die eigenen Post-Docs liefern keine neuen Ideen, sondern nehmen ihr Wissen aus dem Unternehmen mit zur nächsten Station. Ohnehin hätten die Mitarbeiter in den Forschungs- und Entwicklungsabteilungen ein recht knapp bemessenes Verfallsdatum, sagt Martin Lang von Kelly Scientific. "Nach zwei bis drei Jahren ist ihr Potenzial, wissenschaftlich zu denken, für das Unternehmen meist erschöpft." Der Branchenexperte rät, sich frühzeitig über die nächsten Karriereschritte innerhalb und außerhalb des eigenen Unternehmens zu informieren und sich dann konsequent weiterzubilden, um das angestrebte Ziel zu erreichen.

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