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Sexuelle Belästigung im Job
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Sexuelle Belästigung im Job

Anmachen gehören zum Arbeitsalltag

von Lin Freitag, wiwo.de
Der Klaps auf den Po, eine anzügliche Bemerkung oder E-Mail mit eindeutigem Angebot: Eine neue Studie zeigt, dass mehr als die Hälfte der Beschäftigten schon einmal am Arbeitsplatz belästig wurden.
Eigentlich war es eine ganz normale Situation – so wie sie wohl jeden Tag in deutschen Büros vorkommt. Eine Mitarbeiterin und ihr Chef plaudern über das Fernsehprogramm. Doch dann, mit nur einer Bemerkung, wird aus einem harmlosen Gespräch sexuelle Belästigung. Die Kollegin solle nicht so viel RTL gucken, sagt der Chef. Sondern sich lieber mal wieder bumsen lassen. Dann könnte sie auch auf das Programm des Privatsenders verzichten. In den nächsten Wochen musste die Frau noch weitere Sprüche dieser Art schlucken. Bis sie schließlich keinen anderen Ausweg mehr sah und kündigte.

Mit diesen Erfahrungen steht die Frau auf Deutschlands Büroetagen nicht allein da. Eine aktuelle Studie, die vom Sozialwissenschaftlichen Umfragezentrum Duisburg (SUZ) im Auftrag der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) durchgeführt wurde, zeigt: Mehr als die Hälfte aller Beschäftigten in Deutschland hat schon einmal sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz erlebt oder beobachtet.

"Der Arbeitsplatz ist der Kontext, in dem am häufigsten sexuelle Belästigung vorkommt. Das hat sicher auch etwas mit den dort herrschenden Abhängigkeitsverhältnissen zu tun", sagt Christine Lüders, Leiterin der Antidiskriminierungsstelle.

Alles eine Frage der Definition

Ein großes Problem: Häufig werden sexuelle Belästigungen von den Betroffenen gar nicht als solche erkannt. So gaben erst nur 17 Prozent der befragten Frauen und sieben Prozent der Männer an, schon einmal am Arbeitsplatz sexuell belästigt worden zu sein. Nachdem ihnen jedoch die offizielle Definition vorgelegt wurde, änderte sich die Datenlage dramatisch.

Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) definiert sexuelle Belästigung als "unerwünschte sexuelle Handlungen und Aufforderungen zu diesen, sexuell bestimmte körperliche Berührungen, Bemerkungen sexuellen Inhalts sowie unerwünschtes Zeigen und sichtbares Anbringen von pornografischen Darstellungen", die die Würde der betreffenden Person verletzen – "insbesondere wenn ein von Einschüchterungen, Anfeindungen, Erniedrigungen, Entwürdigungen oder Beleidigungen gekennzeichnetes Umfeld geschaffen wird". Dazu gehören obszöne Witze ebenso wie sexuelle Anspielungen. Ungewollte Berührungen genauso wie Nacktfotos im Büro.

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