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Digitalisierung
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Digitalisierung

Angst vor dem Jobkiller Fortschritt

Kerstin Dämon, wiwo.de
Viele Deutsche haben Angst, dass die Digitalisierung sie und ihren Job überflüssig macht. Dabei schafft der technische Fortschritt von jeher mehr Jobs, als er vernichtet.
"Hilfe, ein Roboter klaut meinen analogen Job!" Gut jeder dritte deutsche Arbeitnehmer befürchtet, dass Digitalisierung und Industrie 4.0 seinen Job mittelfristig überflüssig machen. Ein weiteres knappes Fünftel traut sich noch nicht zu, die Auswirkungen der anstehenden Umbrüche auf den eigenen Arbeitsplatz einzuschätzen. Angst und Unsicherheit sind unter den Arbeitnehmern also weit verbreitet. Wasser auf die ängstlichen Mühlen goss kürzlich noch die Deutsche Bank, die vor dem Verschwinden analoger Jobs gewarnt hat.

Die Angst vor dem Jobkiller Fortschritt ist so alt wie der Fortschritt selbst: Während zu Beginn der Industrialisierung in Großbritannien noch die Weber Angst vor der Konkurrenz durch den automatischen Webstuhl hatten, fürchten heute die Taxi- und Busfahrer das selbstfahrende Auto und die Einzelhandelskaufleute die Selbstzahlerkassen, wie sie beispielsweise bei Ikea zum Einsatz kommen.

Digitalisierung erfasst sämtliche Unternehmensprozesse

Dass die Veränderungen sich nicht nur auf Industrie-Jobs beschränken werden, bestreitet in der deutschen Wirtschaft mittlerweile fast niemand mehr, wie die Studie "Einfluss des HR-Managements auf den Unternehmenserfolg" der Personalberatung Rochus Mummert unter HR-Führungskräften und 1000 Arbeitnehmern zeigt. "Rund 90 Prozent der von uns befragten Führungskräfte sind sich sicher, dass Industrie 4.0 auch über die produzierende Industrie hinaus deutliche Auswirkungen haben wird", sagt Studienleiter Hans Schlipat. "Zudem sind gut drei Viertel der HR-Manager davon überzeugt, dass Industrie 4.0 alle Prozesse innerhalb eines Unternehmens beeinflussen dürfte."

Doch das muss keine negativen Auswirkungen haben. Eine Studie des britischen Magazins Economist und der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte zeigt, dass der Fortschritt in den letzten 140 Jahren mehr Jobs geschaffen als vernichtet hat. Die Studienautoren griffen dafür auf britische Zensusdaten seit dem Jahr 1871 zurück.

Sie fanden heraus, dass mit zunehmender Technologisierung zwar die körperlich anstrengenden und gefährlichen Berufe ausstarben, dafür entstanden aber immer mehr wissenschaftliche und Dienstleistungsberufe. So ging die Zahl der Weber und Stricker um 79 Prozent zurück, dafür erhöhte sich die Zahl der Lehrer um 580 Prozent. Und mit den Wissensberufen stieg auch das Einkommen.

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