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Sich wieder in den alten Job verlieben lernen
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Reif für den Jobwechsel

Alte Liebe rostet nicht – oder doch?

Teil 2: Schlechte Chefs sorgen für Unzufriedenheit

Bei jenen, die freiwillig wechseln, ist vor allem Unzufriedenheit Grund für den Arbeitsplatzwechsel. Studien zufolge ist Frust bei jedem zweiten Jobwechsel die Hauptursache. Wie die diesjährige Gallup-Studie feststellt, tragen besonders die Führungskräfte einen erheblichen Anteil daran. Für die repräsentative Erhebung wurden 1.413 Arbeitnehmer über 18 Jahren befragt. Demnach gaben 70 Prozent der Befragten an, vor allem wegen ihres direkten Vorgesetzten unzufrieden zu sein und wegen fehlender Wertschätzung, unklarer Zielvorgaben und fehlenden Feedbacks nur noch Dienst nach Vorschrift zu verrichten. Den Studienautoren zufolge entsteht der deutschen Wirtschaft dadurch ein jährlicher Verlust von 105 Milliarden Euro Umsatz pro Jahr – schlicht, weil sich die Beschäftigten in die innere Kündigung zurückziehen, sich kaum einbringen, Ideen zurückhalten oder auf Missstände und Fehler nicht mehr hinweisen.

Neben der Unzufriedenheit mit dem Chef ist der häufigste Grund, den Job zu wechseln, weiterhin die mangelnde Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Zu starre Arbeitszeiten mit Präsenzpflicht, fehlende Unterstützung des Arbeitgebers bei der Vereinbarkeit, lange Anfahrts- und Pendelwege sowie unflexible Kitazeiten machen es besonders berufstätigen Eltern schwer. Wer zudem frustriert im Job ist und Alternativen hat, zieht die Reißleine – und sucht sich einen Arbeitsplatz, der besser mit dem Familienleben in Einklang zu bringen ist.

Motivation für den neuen Job muss da sein

Weitere Gründe für einen Arbeitsplatzwechsel sind bessere Einkommens- und Verdienstchancen – immerhin jeder Vierte sucht sich deshalb einen neuen Job –, attraktive Karriere- und Entwicklungsmöglichkeiten und schließlich auch die Lust, etwas Neues zu machen und in einem anderen Unternehmen zu arbeiten.

Und wie gelingt ein erfolgreicher Wechsel? Vor allem, wenn die Motivation stimmt. Wer einfach nur von einem ungeliebten Arbeitsplatz weg möchte, wird in einem Vorstellungsgespräch für eine ähnliche Tätigkeit die Personalverantwortlichen in der Regel schlechter überzeugen. Wichtig ist, genau zu wissen, warum man wechseln will, was man sich vom neuen Job verspricht und vom neuen Arbeitgeber erwartet – sowie den Jobwechsel mit einer Hin-zu-Motivation anzugehen und genau zu überlegen, warum man sich dafür entscheidet.

Ein neuer Job birgt auch Risiken

Wer sich bei der Suche nach einer Alternative zum derzeitigen Job intensiv mit diesen Fragen beschäftigt, stellt übrigens oft fest, was er an seinem vermeintlich unattraktiven Arbeitsplatz doch noch schätzt. Denn die Frage, warum man sich einmal für seinen alten Job entschieden hat und was man daran mochte, kann mitunter auch längst vergessene Leidenschaft wiedererwecken.

In den allermeisten Fällen stellt sich aber ein gewisser Realismus ein: Wer einen sicheren Arbeitsplatz hat und einfach nur über manche Bedingungen frustriert ist, schmeißt nicht sofort alles hin – oft überwiegt auch die Einsicht, dass nicht notwendigerweise ein Wechsel auch zu mehr Zufriedenheit führen wird. In der Regel ist ein Jobwechsel auch mit einem gewissen Risiko verbunden: Denn jeder zweite neue Arbeitsvertrag ist nur befristet. Und warum in der Lebensmitte einen sicheren Arbeitsplatz für eine befristete Beschäftigung riskieren? Zumal für die Mehrheit der Arbeitnehmer hierzulande der Arbeitsplatz am Ende des Tages eben doch nur Broterwerb ist. Da arrangieren sich viele lieber mit dem schnöden Joballtag. Und auch hier ist es wieder ganz ähnlich wie in der Liebe …


Zuerst veröffentlicht auf: zeit.de
Dieser Artikel ist erschienen am 06.04.2017

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