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Arbeiten international

Als Trainee durch die Welt

Gero Brandenburg
USA, Asien, Europa: Jedes zweite Unternehmen schickt seine Trainees ins Ausland. Dort soll sich der Nachwuchs fit machen für kommende internationale Aufgaben.
Der Sprung ins Ausland ist oft auch ein Karriere-SprungbrettFoto: © MAXFX - Fotolia.com
Für Sebastian Knoche klang das Angebot verlockend. Drei Monate in Detroit zu verbringen, im Herzen der amerikanischen Automobil-Industrie - da zögerte der Trainee des Fahrzeugteile-Herstellers Brose nicht lange. Er sagte zu. Weil seine Frau schwanger war, musste sie in der Heimat bleiben. Das war nicht ganz einfach. Trotzdem möchte er die Zeit in den USA nicht missen. "Die Arbeit mit den amerikanischen Kollegen hat mich beruflich wie auch persönlich weit nach vorne gebracht", sagt der Wirtschaftsingenieur.Ein internationales Traineeprogramm, wie es der 26-Jährige absolviert hat, wird von immer mehr deutschen Unternehmen angeboten. Für die Firmen ist es ein Mittel zur Rekrutierung ihrer kommenden Fach- und Führungskräfte. Für Hochschulabsolventen ist es ein Karriere-Sprungbrett. Und: Vorbei sind die Zeiten, in denen Trainees beim Gehalt hinter Direkteinsteigern zurückstehen mussten. Sie verdienen oftmals genauso viel, in Einzelfällen sogar mehr. Wie eine Umfrage von Junge Karriere ergab, an der sich 90 deutsche Unternehmen beteiligten, bietet jede zweite Firma ein internationales Traineeprogramm an.

Die besten Jobs von allen

Einer Kienbaum-Studie zufolge waren es 2002 lediglich 22 Prozent. Drei von vier Arbeitgebern betonten die große Bedeutung dieser Einarbeitungsprogramme für die Gesamtstrategie ihres Unternehmens. "Für uns als Global Player ist das unabdingbar. Damit bereiten wir unseren Nachwuchs früh auf die Übernahme hoher Verantwortung vor", sagt Andrea Kunze, die bei Brose verantwortlich für die Rekrutierung der Trainees ist. Wer international agiert, baut auf Nachwuchskräfte, die im Ausland Berufserfahrungen gesammelt und sich dort durchgebissen haben.
Foto: © Junge Karriere
Wie das geht, lernt Timo Kersting gerade in Peking. Der 27-Jährige Business Development Manager durchläuft während des Siemens Graduate Programs seine dritte Station und entwickelt Strategien für lokal gefertigte Motoren, die etwa in Pumpen oder Aufzügen zum Einsatz kommen. Acht Monate sind in der 15,5 Millionen Einwohner zählenden Metropole vorgesehen - und vor allem zu Beginn musste er sich ziemlich umstellen. "Hier funktionieren viele Dinge komplett anders. Die Businesssprache ist Englisch, aber selbst dann fällt die Kommunikation manchmal schwer", sagt er. "Die chinesische Denkweise ist eben nicht die europäische."18,4 Monate im SchnittSebastian Knoche hatte es da etwas einfacher. Von Detroit aus flog er häufig zu Verhandlungen mit Lieferanten nach Kanada und Mexiko und lernte den nordamerikanischen Markt kennen, der Europäern weniger fremd ist. Seit Anfang des Jahres ist er nun zurück in Deutschland und arbeitet als Projektingenieur für Brose in Wuppertal. Ein Lohn seines Auslandsaufenthalts: Sein Traineeprogramm wurde um vier Wochen auf insgesamt 14 Monate verkürzt. Damit ist Knoche schneller fertig als die meisten seiner Trainee-Kollegen.18,4 Monate dauert ein Traineeprogramm laut Junge-Karriere-Umfrage im Schnitt. Beim Chemie-Multi Bayer sind es bis zu 36 Monate, bei der Helaba (Landesbank Hessen-Thüringen) und dem Stahlerzeuger Wuppermann sind hingegen nur zwölf Monate vorgesehen. Die Dauer des Auslandseinsatzes variiert je nach Arbeitgeber und Einsatzbereich, kann einige Wochen, aber auch mehrere Monate betragen.Gefragt sind für die internationalen Traineeprogramme vor allem Wirtschaftswissenschaftler. Ebenfalls hoch im Kurs stehen Ingenieure und Wirtschaftsingenieure. Aber auch Naturwissenschaftler, Informatiker und Mathematiker haben exzellente Chancen. Selbst Geistes- und Sozialwissenschaftler sind als Quereinsteiger durchaus willkommen. In Zeiten des Konjunkturaufschwungs und des Fachkräftemangels scheint der Direkteinstieg für viele hochqualifizierte Absolventen nicht mehr das vorrangige Ziel zu sein. Sie wissen um ihre guten Chancen auf dem Arbeitsmarkt, wollen sich nicht so früh auf einen Aufgabenbereich festlegen und noch etwas experimentieren. Vodafone-Trainee Inken Nonnenmann sagt beispielsweise: "Ich wollte nach dem Studium ein bisschen spielen." Und das am liebsten auf internationalem Parkett.

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