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Medizin

Alles für die Gesundheit

Kirstin von Elm
Nie zuvor standen Medizinern mehr Berufe offen als heute. Und die Chancen stehen gut, in einer Klinik, in der Forschung oder als Gesundheitsmanager einen Job zu finden. Der Wettbewerb der privaten Anbieter eröffnet dem Nachwuchs neue Perspektiven.
Johannes Boltze erprobt an Schafen eine Stammzellentherapie für SchlaganfallpatientenFoto: © Bertram B
Wenn Henning Baberg ins Krankenhaus gerufen wird, ist es oft schon fast zu spät. Und häufig stellt der Kardiologe die gleiche Diagnose: Schuldenstand alarmierend, Investitionsbedarf akut, Defizit weiter steigend.Statt menschlicher Patienten untersucht Baberg wirtschaftlich angeschlagene Krankenhäuser, die - meist von klammen Kommunen - zum Verkauf angeboten werden. Der 38-Jährige leitet die Abteilung Mergers & Acquisitions der privaten Krankenhauskette Helios. Seine Aufgabe: Er überprüft die Überlebenschancen der Heilanstalten und wählt Übernahmekandidaten aus. Zwei bis drei sind es im Schnitt pro Jahr, 61 Kliniken betreibt Helios inzwischen. Und Henning Baberg hat seinen Teil zu dieser Expansion beigetragen.

Die besten Jobs von allen

Gefragte MedizinerMediziner wie er sind gefragt auf dem Gesundheitsmarkt, denn der Manager kann nicht nur Krankenakten lesen, sondern auch Kalkulationen und Kreditverträge. Allein die drei größten privaten Klinikketten Europas haben ihren Sitz in Deutschland, und sie nutzen den akuten Sparzwang der Länder, Kommunen und Krankenkassen, um sich vom milliardenschweren Wachstumsmarkt Gesundheit ein großes Stück zu sichern. Mehr als 50 Milliarden Euro geben die Krankenkassen jährlich allein für stationäre Behandlungen aus. Weitere 23 Milliarden fließen in ambulante Arztpraxen.
Foto: © Junge Karriere
Diese Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) dürfen seit 2004 nicht nur von Ärzten betrieben werden, sondern auch von Krankenhäusern, Apotheken und Pflegediensten. Und dafür benötigen sie Personal. Mehr als 1000 solcher Praxen sind seitdem entstanden, die Zahl der Ärzte, die dort angestellt sind, hat sich in den vergangenen zwei Jahren auf mehr als 3200 verdoppelt.Rabatte oder ExtradiensteDiese Filialen bringen den Klinikketten zusätzliche Umsätze und stärken die Kundenbindung. Die Idee: Die MVZ nehmen Patienten auf und überweisen sie zur stationären Behandlung an die konzerneigenen Krankenhäuser. Inzwischen dürfen die Zentren direkte Verträge mit den Krankenkassen abschließen und deren Mitgliedern Rabatte oder Extradienste anbieten. Helios hat gerade Filiale Nummer 21 eröffnet, Marktführer Rhön-Klinikum bringt es aktuell auf 19.Der Trend der Privatisierung wird auch in Zukunft anhalten. Den kommunalen Kliniken geht das Geld aus, jetzt schon ist mindestens jedes vierte Haus von der Schließung bedroht, sagt das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung RWI. "Ich erwarte keine Privatisierungswelle, sondern einen stetigen Fluss", sagt Henning Baberg von Helios. Mehr als jedes vierte der rund 1800 Allgemeinen Krankenhäuser in Deutschland wird bereits von einem privaten Unternehmen betrieben. Mitte der 90er-Jahre waren es noch weniger als 20 Prozent.Schätzungen der Allianz-Gruppe zufolge könnten die Privaten ihren Anteil bis 2020 auf 40 Prozent steigern. Der Anteil der öffentlichen Träger, der Mitte der 90er-Jahre noch klar über 40 Prozent lag, dürfte dann von heute 34 auf 20 Prozent zurückgehen. Die dritte Größe im Krankenhausmarkt, die Kirchen und andere frei-gemeinnützige Träger, hält sich stabil bei insgesamt rund 40 Prozent. Allerdings betreiben auch hier die großen Träger wie die Malteser oder die Johanniter immer mehr Häuser.Die drei Marktführer der privaten Ketten, Helios, seit 2005 ein Unternehmen des Fresenius-Konzerns, Rhön-Klinikum und Asklepios, sind nicht nur in ihrem jeweiligen Einzugsgebiet oft der größte Arbeitgeber, sondern setzen auch bundesweit Maßstäbe - und kämpfen um den talentierten Nachwuchs.

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