Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche
Mein schlimmster Job

Allein vor 1000 Saufköppen

Mariam Schaghaghi
Oliver Kalkofe hat schon auf zahlreichen Bühnen gestanden. Seinen schlimmsten Auftritt hatte er bei einem Firmenjubiläum vor hunderten Besoffenen. Er berichtet von dieser Erfahrung, die ihm rückblickend als durchaus lehrreich erscheint.
Oliver Kalkofe erlebte 45 Minuten EntertainerhölleFoto: © Bente Schipp
Mein schlimmster Job? Das war ein Auftritt bei einem Jubiläum einer großen Firma, fernab der Zivilisation. Ich sollte eine Dreiviertelstunde Comedy bestreiten, mit Ausschnitten aus meinem Tourprogramm. Eigentlich eine sichere Sache, das Programm hatte ich ja schon zig-mal gespielt und wusste, dass es gut ankam und wo die Leute am meisten lachen.Das Fest fand in einem riesigen Bierzelt statt. Anderthalbtausend Mitarbeiter saßen an langen Tischen, aber alle von der Bühne abgewandt und ewig weit entfernt. Das Fest hatte um 15 Uhr begonnen, mit diversen Mahlzeiten, Kaffee, Kuchen und vor allem jeder Menge Bier und Schnaps zum Verdauen! Als ich um 21 Uhr auf die Bühne ging, waren 90Prozent der Anwesenden hackedicht. Vor mir waren Basketballer dran, mit attraktiven Cheerleaderinnen - selbst die wurden gnadenlos ausgebuht. Danach musste ich raus. Schon nach drei Sekunden war klar: Diese Bühne ist tot. Egal, was ich mache, es interessiert keine Sau. Die meisten sind froh, wenn sie nicht von der Bank rutschen oder der Kuchen in den Rückwärtsgang geht!

Die besten Jobs von allen

Augen zu und durchAber ich musste da durch. Ich erzählte und erzählte, hätte es aber auch genau so gut in einer Ecke vom Hauptbahnhof zum Feierabendverkehr machen können. Die paar Dutzend, die was hören wollten und sogar an die Bühne kamen, hatten gegen das Gröhlen der restlichen tausend Saufköppe null Chance. Ich zog meine Nummer durch und versuchte mir einzureden, ich übe nur vor dem Spiegel und brauche gar kein Publikum. Ich habe aber die Zugabe weggelassen.Danach bin ich so schnell wie möglich weg von dort - rein ins Taxi und ab an die Hotelbar, wo ich mir aus Frust eine richtig schöne teure Flasche Wein gönnte, um den Horror-Abend zu vergessen.Seitdem kann ich mir sehr gut vorstellen, wieso Künstler im Suff enden oder aus dem Klofenster springen. Vielleicht ist es sogar recht nützlich, solche Veranstaltungen mal zu erleben: Das Gefühl, dass es dem Publikum egal ist, ob du da oben stehst oder eine tote Ziege, das macht schon ziemlich demütig. Und lässt einen die guten Auftritte viel mehr genießen. Aber noch mal muss ich das trotzdem nicht haben!Lesen Sie von anderen schlimmsten Jobs:
Armin Rohde: Leiden für ein Mofa
Christian Tramitz: Als Sirupflasche im Werbespot
Frank-Markus Barwasser: Mehr als nur ein kaputter Arm
Dieser Artikel ist erschienen am 14.05.2010

Fair Company | Initiative

 

Themen im Überblick