Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche
Karriere

Aldi, Lidl, Plus: Arbeiten im Einzelhandel

Kirsten Ludowig
Üppiges Gehalt, frühe Verantwortung: Eine Karriere beim Discounter klingt verlockend. Doch nicht jeder ist für Aldi & Co. gemacht. Neben der Bürotätigkeit muss zum Beispiel auch tatkräftig angepackt werden. Wer hier nicht flexibel und dynamisch ist, ist falsch.
Discounter setzen auf ein flaches Produktsortiment und niedrige PreiseFoto: © Emanuel Bloedt
Schon während Patrick Redmann, dunkler Anzug, weißes Hemd, gestreifte Krawatte, aus dem Auto steigt, lässt er seinen Blick prüfend über den Parkplatz schweifen. Liegt irgendwo Müll? Stehen Einkaufswagen verlassen herum? Sehen die Grünpflanzen ungepflegt aus? Auf dem Weg zum Eingang des hellen Gebäudes geht es weiter: Ist der Schaukasten schmutzig? Hängt gar die Aktionswerbung von letzter Woche noch darin? Quillt der große Abfalleimer über? Im Kopf hakt der 31-jährige Diplom-Kaufmann mit den struppig gegelten Haaren seine persönliche Checkliste Stück für Stück ab.Seit zweieinhalb Jahren arbeitet der Bereichsleiter Filialorganisation bei Aldi Süd in der Regionalgesellschaft Kerpen. Vier Filialen im Großraum Köln mit 40 Mitarbeitern betreut er, und er ist jeden Tag vor Ort, um nach dem Rechten zu sehen. Dazu gehört in erster Linie der Rundgang, der schon auf dem Parkplatz beginnt und sich drinnen fortsetzt. "Alles muss sauber, ordentlich und klar strukturiert sein", sagt Redmann, geht durch die gläserne Schiebetür - nicht ohne zuvor einen zerknüllten Einkaufszettel vom Filzvorleger zu pflücken - und hält bei der ersten Palette mit Brot, Brötchen und Kuchen.

Die besten Jobs von allen

Die Aufstiegschancen bei Discountern sind gut"Ich habe immer die Kundenbrille auf und stelle mir die schlichte Frage: Würde ich hier gerne einkaufen?" Über den Status seiner Filialen berichtet er regelmäßig dem Leiter Verkauf in Kerpen. Ein klassische Karriere in der Welt der Discounter: schneller Einstieg, viel Verantwortung und doch längst nicht jedermanns Sache. "Der Job ist eine Typfrage", sagt Redmann.In den 60er-Jahren führte Aldi als erstes Handelsunternehmen in Deutschland das Discountprinzip ein, andere Einzelhändler zogen zügig nach. Im vergangenen Jahr hatten die Discounter nach Angaben der Gesellschaft für Konsumforschung einen Anteil von 44 Prozent auf dem deutschen Lebensmittelmarkt. Aldi gilt als Marktführer, mit einem geschätzten Umsatz von 23 Milliarden Euro. Laut einer Studie des Marktforschungsinstituts AC Nielsen von 2007 kennen 99 Prozent aller Deutschen Aldi, 86 Prozent kaufen dort ein.Discounter wachsen in allen BranchenAber was heißt das eigentlich, Discounter, und was genau ist das Discountprinzip? Der Begriff stammt von dem englischen Wort "discount" ab und heißt übersetzt Preisnachlass oder Rabatt. "Das Ziel der Discounter ist ein möglichst hoher Warenumschlag in möglichst kurzer Zeit", erklärt Branchenexperte Matthias Queck vom Marktforschungsinstitut Planet Retail. Der Weg dahin führt über ein flaches Produktsortiment, einfache Präsentation und niedrige Preise. "Zu den Discountern im klassischen Sinne zählen die großen Lebensmittelketten Aldi, Lidl, Netto und Plus, Penny sowie Norma", sagt Queck. Längst hat das Discountprinzip aber auch auf andere Branchen wie Textil, Schuhe, Möbel oder Elektro übergegriffen.Paletten und Aktionsflächen, Ware direkt aus dem Karton, grelle Preisschilder - einkaufen bei den Billig-Supermärkten liegt im Trend. "Die Discounter sind in den letzten Jahren stark gewachsen", sagt Matthias Queck. "Das Prinzip ist den Deutschen in Fleisch und Blut übergegangen. Der Normalpreis, an dem sie sich orientieren, ist der Discountpreis." Mittlerweile müssen sich sogar große Supermarktketten den Preissenkungswellen der Discounter beugen. So verwundert es nicht, dass Aldi und Co. relativ gut dastehen, während der deutsche Einzelhandel in der Wirtschaftskrise stark leidet.

Fair Company | Initiative

 

Themen im Überblick