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Finanzbranche

Akademiker statt Azubis

Nils Hille
Die Sparkassen-Finanzgruppe gilt als Arbeitgeber für Abiturienten, die im Unternehmen aus- und weitergebildet werden. Doch viele Kunden möchten sich lieber von Hochschulabsolventen beraten lassen, der Bedarf an Akademikern steigt.
Hessische Skyline: die Deka Bank in FrankfurtFoto: © Heino Pattschull - Fotolia.com
Ute Vander bringt alle Voraussetzungen für eine Karriere bei einer internationalen Großbank mit: einen guten Abschluss in Wirtschaftswissenschaften, erfolgreiche Praktika in der Finanzbranche und ein Auslandssemester in Australien. Die heute 26-Jährige ist bereit, viel zu leisten, ohne dabei ständig auf die Uhr zu schauen. Sie will aber auch nicht Woche für Woche 60, 80 oder noch mehr Stunden im Büro verbringen. Die Anteile von Arbeit und Privatleben sollen möglichst ausgeglichen sein. Dieses Kriterium schränkte die Riege potenzieller Arbeitgeber schon sehr ein.Außerdem erwartete die Akademikerin auf Jobsuche - wie viele ihrer Generation - vom Chef vorgelebte Werte: "Ich wollte zu einem Finanzinstitut, das eine verantwortungsvolle und nachhaltige Unternehmenspolitik betreibt", sagt Vander. Da schrumpfte ihre Auswahlliste noch mal drastisch.

Die besten Jobs von allen

Seit sieben Monaten arbeitet Diplom-Kauffrau Vander nun als Trainee bei der Deka Bank in Frankfurt am Main mit Schwerpunkt Regulatorischer Service. Hier beschäftigt sie sich mit internen sowie externen Revisionen und sieht ihre Ansprüche an einen zeitgemäßen Arbeitgeber erfüllt.Bislang galt die Sparkassen-Finanzgruppe mit ihren fast 367.000 Mitarbeitern in 620 Unternehmen vor allem als Arbeitgeber für Abiturienten, die aus- und weitergebildet wurden. Bei den Sparkassen, die mit rund 260.000 Angestellten den Großteil ausmachen, haben nur 7,4 Prozent der Mitarbeiter einen Hochschulabschluss. Doch diese Quote muss in Zukunft deutlich steigen. "Viele unserer Vermögens- und Firmenkunden erwarten einen Berater mit akademischem Abschluss", sagt Liane Buchholz, Leiterin der Deutschen Sparkassenakademie. Das bestätigt auch Personalberaterin Sabine Hansen von Heidrick und Struggles: "Aufgrund zunehmender Professionalisierung und einem größeren Produktspektrum sucht die Finanzgruppe verstärkt nach breiter aufgestellten Experten, also Akademikern."Die Absolventen der sieben Jahre alten eigenen Hochschule der Sparkassen-Finanzgruppe helfen dabei ein Stück weiter. Auch die Eberle-Butschkau-Stiftung, die ehemalige Auszubildende während ihres Studiums begleitet, leistet ihren Beitrag. Viele von ihnen kehren wieder in eine Sparkassen-Filiale zurück.Kein internationaler KarrierewegUm aber auch für andere Hochschulabsolventen als Arbeitgeber attraktiv zu sein, wirbt die Finanzgruppe verstärkt mit ihren konservativen Werten. Doch nicht alle der rund 500 Vakanzen, die die Mitglieder pro Jahr ausschreiben, lassen sich so besetzen. Denn der nicht unerhebliche Rest des Nachwuchses, für den eine internationale Karriere sowie ein hohes Gehalt bei der Jobwahl ausschlaggebend ist, interessiert sich eher nicht für die Geschäfte der Regionalliga.

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