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Karriereschritt ins Ausland
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Manager im Ausland

Herausforderung auf fremdem Terrain

Teil 3: Unternehmen lassen sich einen Auslandsaufenthalt einiges kosten

Für Greta Rose war das eine wertvolle Information. Hatten sie und ihre Vorgesetzten doch gerade erst entschieden, alle Henkel-Zukäufe unter einem Dach in Los Angeles anzusiedeln. Sie musste also viele Mitarbeiter zum Umzug bewegen. Ihr war deshalb mulmig zumute, doch nach dem Training war das Gefühl weg: "Da wusste ich, dass Amerikaner offener sind für einen Umzug aus beruflichen Gründen."

Ein solches Training gehört häufig zum Servicepaket für Expats. Genauso wie die Erstattung der Umzugskosten, die Miete der neuen Wohnung und Schulgebühren der Kinder. Insgesamt, so schätzt Ulrike Hellenkamp von der Unternehmensberatung Mercer, kann eine dreijährige Entsendung eines Paares von Frankfurt nach Shanghai knapp 800.000 Euro kosten. Im Idealfall bekommen die Unternehmen dafür aber auch einiges zurück.

Voneinander profitieren

Thomas Rudelt etwa brachte mehr Struktur in die Abläufe der türkischen Landesgesellschaft. Die Manager dort seien zwar kreativ und motiviert, aber manchmal unorganisiert. In seiner Anfangszeit beobachtete Rudelt häufig, dass gute Projekte eingestellt wurden, weil die Umsetzung nicht funktionierte. Da konnte sich der Metro-Manager als eine Art Coach etablieren, um Abläufe effizienter zu gestalten.

Natürlich ist auch bei einem Aufenthalt in Traumstädten wie Los Angeles nicht alles immer nur großartig. "Ein Auslandsaufenthalt ist eine große Belastungsprobe für die Partnerschaft und Familie", sagt Experte Zeeck. Erst recht in Zeiten des Doppelverdiener-Haushalts.

Wenn es den einen ins Ausland zieht, muss der andere meist zurückstecken. Rudelt etwa kam mit seiner Frau in die Türkei. Doch als die ein attraktives Jobangebot bekam, ging sie zurück nach Deutschland. Jetzt pendelt er alle zwei bis drei Wochen zwischen Istanbul und Düsseldorf. Greta Rose machte sich vor allem über die Rückkehr so ihre Gedanken, denn die lässt sich meist nicht planen.

"Was danach kommt, wird sich zeigen"

"Feste Versprechungen bezüglich späterer Positionen sind schwer einzuhalten", sagt Berater Hansen. Gerade in Zeiten der Digitalisierung weiß niemand, ob heute profitable Geschäftsfelder morgen nicht schon eingestellt werden. Und wenn Führungskräfte wechseln, warten die Neuen selten auf den Kollegen aus der Fremde, sondern befördern den Mitarbeiter vor Ort. Eine Studie der Personalberatung BGRS zeigte, dass 38 Prozent aller zurückgekehrten Expats ihr Unternehmen nach einem Jahr verlassen. Vor allem, weil sie danach eine Position angeboten bekommen, die schlechter ist als die vor dem Auslandsaufenthalt, oder weil sie keine Möglichkeit haben, ihre neuen Kenntnisse einzubringen.

Damit Greta Rose das nicht passiert, hat sie von Henkel einen Mentor aus der Zentrale an die Seite gestellt bekommen, mit dem sie regelmäßig spricht. Doch auch sie weiß: "Wer sich auf eine bestimmte Position versteift, wird es schwer haben." Sie hat deshalb von Anfang an mehrere Optionen genannt. Und wie hat Rudelt seine Rückkehr geplant? "Ich lebe jetzt hier, was danach kommt, wird sich zeigen", sagt er. "Aber die Türkei-Erfahrung hat mich sowohl beruflich als auch privat extrem bereichert – das kann mir keiner mehr nehmen."


Zuerst veröffentlicht auf: wiwo.de
Dieser Artikel ist erschienen am 21.08.2017