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Karriereschritt ins Ausland
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Manager im Ausland

Herausforderung auf fremdem Terrain

Teil 2: Ins Ausland gerne, aber bitte vor der Familienplanung

Einer Studie der Beratung Mercer zufolge erwarten deshalb mehr als 70 Prozent der dort befragten Unternehmen, dass sie demnächst sogar noch mehr Mitarbeiter für bis zu einem Jahr ins Ausland schicken wollen. 55 Prozent rechnen auch mit einem Anstieg der längeren Auslandsaufenthalte bis zu fünf Jahren. Um diese Positionen auch besetzen zu können, müssen sich die Unternehmen etwas einfallen lassen. "Wir wollen früher mit den Entsendungen anfangen, um besser auf die Bedürfnisse der Generation Y eingehen zu können", sagt Nora Schoenthal, die bei Henkel für die Mitarbeiterentwicklung zuständig ist. "Sie wollen ins Ausland, aber am liebsten vor der Familienplanung." 
 
Doch es sind nicht nur Reihenhaus und Familienplanung, die aus den Deutschen Stubenhockern machen. Hinzu kommt noch ein ganz anderes Problem. Denn der Expat als fleischgewordener Vertreter der Globalisierung, der heute hier und morgen dort arbeitet, hat es aktuell schwer. Betritt er doch das globale Parkett zu einer Zeit, in der sich die Welt neu sortiert und ehemals offene Länder wie die USA oder Großbritannien auf Abschottung und Renationalisierung setzen und eben noch stabile Staaten wie die Türkei im Chaos versinken.

Politische Instabilität hat schwerwiegende Auswirkungen

Als Thomas Rudelt Ende 2012 nach Istanbul zog, dachte noch niemand an Putschversuche, inhaftierte Journalisten und blutige Massendemonstrationen. Die Türkei gehörte zu den beliebtesten Urlaubszielen und galt als möglicher Beitrittskandidat der EU. Und Rudelt zog für das Handelsunternehmen Metro in das Land, um als Einkaufsdirektor neue Sortimente zu entwickeln.

Tatsächlich war die Türkei laut Vertretung der Deutsch-Türkischen Industrie- und Handelskammer früher eines der drei beliebtesten Ziele von Expats. Das Interesse hat seitdem stark abgenommen, vor allem bei Managern mit Familie. "Die Unternehmen haben große Schwierigkeiten, Posten in der Türkei zu besetzen", sagt Malte Zeeck, Gründer des Expat-Netzwerks Internations.

Das Portal veröffentlicht regelmäßig Auswertungen über die bei Expats beliebtesten Länder. Neben der Türkei haben im vergangenen Jahr auch Brasilien, Saudi-Arabien, Ägypten und Katar an Zustimmung verloren. "Wenn sich die politische Lage dramatisch ändert, hat das sofort Auswirkungen auf die Expats", sagt Experte Zeeck. "Viele werden von ihren Unternehmen wieder zurückgeholt." 

Interkulturelles Training bewahrt vor Fettnäpfchen

Auch bei Thomas Rudelt dauerte es nicht lange, bis er besorgte Anrufe von Kollegen und Freunden bekam. "Eine vorzeitige Rückkehr kam für mich aber nicht infrage – gerade in schwierigeren Zeiten nicht", sagt er. Denn trotz der Anschläge und erhöhten Sicherheitsvorkehrungen fühlt sich Rudelt in Istanbul wohl, vor allem beruflich. "Die Türkei ist ein sehr junges Land mit einem unglaublich großen Humankapital", sagt er.

Wer länger in einem anderen Land gelebt und gearbeitet hat, kann auch seinen Umgang mit anderen in der eigenen Kultur verbessern. "Die Manager sind sensibler und tappen seltener ins Fettnäpfchen als Kollegen, die immer nur in Deutschland gelebt haben", sagt Personalberater Klaus Hansen.

Um Pannen und kulturelle Missverständnisse von Anfang an zu umgehen, saß acht Wochen nach Greta Roses Ankunft in L.A. eine Beraterin für interkulturelles Training auf ihrem Sofa. Sie erklärte dem Ehepaar zum Beispiel, warum die Amerikaner so offen wirken: Die meisten sind es gewohnt, schnell neue Kontakte zu knüpfen, weil sie aus beruflichen Gründen mehrmals im Leben umgezogen sind, mitunter in andere Bundessstaaten oder an die gegenüberliegende Küste. Ganz anders als in Deutschland, wo viele Erwachsene ihren Freundeskreis seit Kindertagen pflegen.