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China mischt kräftig bei der Neuordnung der globalen Wirtschaft mit. Es reicht nicht, die Sprache zu sprechen, auch das kulturelle Verständnis ist wichtig.Foto: Ali Yahya / Unsplash.com
Sprachkompetenz im Job

"Englisch gilt als Erweiterung der Muttersprache"

Teil 2: Mit den Flüchtlingsströmen gewinnt auch das Arabische an Bedeutung

Gleich nach den gängigen Schulsprachen Englisch, Französisch und Spanisch sind in den aktuellen Ausschreibungen vermehrt Arabischkenntnisse gefragt …

Auch am LSI hat die Nachfrage nach Arabisch in den letzten Jahren stark zugenommen. Dabei handelt es sich – neben Studierenden der Arabistik – vor allem um Berufstätige, die mit Flüchtlingen arbeiten oder in Initiativen engagiert sind und schnell eine gewisse Basiskommunikation brauchen. Die Integration von Menschen mit Fluchthintergrund hat ja gerade erst begonnen, an Schulen, in der Ausbildung, im Studium und vor allem auf dem Arbeitsmarkt steht sie noch bevor.

Für Deutsche, die Arabisch lernen, gilt, dass es nicht nur um die Sprache selbst geht. Ebenso wichtig ist es, die kulturellen, sozialen und politischen Hintergründe – und auch, wenn sie sich untereinander unterhalten – verstehen und einordnen zu können. Auch für Auslandseinsätze wird die Nachfrage nach Arabisch weiter zunehmen. Diejenigen Länder, die sich jetzt noch in kriegerischen Handlungen befinden und oft zerstört sind, müssen irgendwann wieder aufgebaut werden, und da wird eine Unterstützung durch Deutschland, etwa in der Bildung oder im Umweltschutz, von Nöten sein.

Aber ist es denn überhaupt realistisch, als Erwachsener – und das auch noch neben dem Beruf – eine so ausgefallene Sprache wie Arabisch zu lernen?

Drei Tage dauert unser kleinster Intensivkurs "Einstieg für die Arbeit mit Flüchtlingen" hierzulande und auch ein erstes Survival-Training für den Einsatz vor Ort. Die regulären Kurse dauern zwei Wochen mit je 60 Unterrichtsstunden plus Nacharbeiten – damit ist man in 8 Wochen "Modern Standard Arabic" verglichen mit dem Europäischen Referenzrahmen etwa auf Niveau B1. Dann können Sie so sprechen, dass man Sie versteht. Mit dem eigenen Hörverständnis ist es natürlich schwieriger, weil im Arabischen unterschiedliche Dialekte gesprochen werden, mit denen man sich speziell beschäftigen muss.

Wie sieht es denn mit den EU-Sprachen aus?

Portugiesisch ist in Hinblick auf das wirtschaftliche Potenzial von Brasilien von Interesse, wenngleich der Hype um Portugiesisch etwas abgeflaut ist. Italienisch ist selbstverständlich in allen Sektoren der Kultur, des Kulturmanagements und des Tourismus.

Leider sinkt die Nachfrage nach Italienisch wie auch nach Türkisch. Vielleicht auch deshalb, weil es in Deutschland eine hohe Anzahl Türkischstämmiger gibt, die hier aufgewachsen und in die Schule gegangen sind und Türkisch auf einem guten Niveau sprechen. Ein ähnliches Phänomen haben wir beim Russischen: Die Kinder der Russlanddeutschen, die seit dem Beginn der 1990er Jahre nach Deutschland ausgewandert sind, sind jetzt über 30 und stehen im Berufsleben.

Sie sind täglich mit Studierenden und Berufstätigen zusammen, die die Sprachen für ihren Beruf lernen. Wie werden die Kenntnisse im Bewerbungsgespräch abgefragt?

Bewerber sollten darauf vorbereitet sein, dass manche Arbeitgeber ohne Ankündigung urplötzlich eine Frage in der Fremdsprache stellen. Diese Überrumpelungstaktik ist nicht sehr professionell seitens der Einstellenden, schließlich sprechen wir ja im Berufsleben nicht unter Schock, sondern unter normalen Bedingungen. Grundsätzlich ist die praktische Überprüfung von Fremdsprachenkenntnissen aber ein normaler Bestandteil des Bewerbungsgesprächs. Stellt man sich bei ausländischen Vorgesetzten vor, so spielen sicherlich auch die interkulturellen Elemente, wie der Umgang mit dem (potenziellen) Vorgesetzten und das Verhalten als Untergebener, eine entscheidende Rolle.


WEITERE INFORMATIONEN UND LINKS ZUM THEMA:

• Das Landesspracheninstitut Nordrhein-Westfalen (LSI) hat eine lange Tradition: 1973 wurden mit der Eröffnung des Russicums durch Johannes Rau erstmals Studien- und Sprachaufenthalte in der Sowjetunion ermöglicht. Es folgten das Sinicum, Japonicum und Arabicum. Mittlerweile werden auch viele weitere Sprachen on- und offline unterrichtet. Das LSI setzte von Anfang an stark auf die gesprochene Sprache, Intensivkurse mit Schnelllernmethoden und interkulturelle Trainings, die Berufstätige in kürzester Zeit fit fürs Ausland machen. 

• Mit dem "Gemeinsamen europäischen Referenzrahmen für Sprachen" hat der Europarat zehn Niveaus von A1 bis C1/C2 definiert, um Sprachkompetenz und Sprachkurse in Europa vergleichbar zu machen. Daneben gibt es noch etablierte Zertifikate wie den TOEFL-Test oder das Cambridge Certificate (Englisch), DELF und DALF für Französisch oder TELC für Spanisch. Einen Selbsteinschätzungstest für über 40 europäische Sprachen stellt der Europarat kostenlos zur Verfügung.

• Wer auch ohne Kurs ein Sprachzertifikat nach Europäischem Referenzrahmen vorweisen möchte, kann für Englisch, Französisch, Spanisch und Deutsch den (kostenpflichtigen) Online-Test von Bulats machen.

• Wer sich innerhalb der EU bewerben möchte, kann den Europass für Anschreiben, Lebenslauf und Sprachkenntnisse als Anregung nehmen. Allerdings sollte man ihn an manchen Stellen hinterfragen: So selten wie der europäische Referenzrahmen in deutschen Ausschreibungen für Sprachen genutzt wird, so oft fallen die in anderen EU-Ländern üblichen Bewerbungen ohne Foto hierzulande durchs Raster.
Dieser Artikel ist erschienen am 18.12.2017